Der Wolf – das seltene Wildtier erobert Deutschland zurück

Der Wolf in Deutschland

2398608478_51bce71923_mDer graue Geselle hält Einzug in Deutschland. Naturschützer freut das, doch viele Menschen, unter anderem Landwirte und Viehhalter stehen dem Vierbeiner skeptisch gegenüber. NABU (Naturschutzbund) berichtete, dass es zur Zeit 35 Wolfsfamilien bundesweit gäbe, darunter seien 31 Rudel und vier Paare. Vor 10 Jahren wurde eine Kampagne von NABU mit dem Namen „Willkommen Wolf“ gestartet. Im Zuge dieser gab und gibt es zahlreiche Veranstaltungen rund um den Wolf, um die Menschen besser zu informieren und ihnen die Angst zu nehmen. Seitdem gibt es mehr als 500 lokale „Wolfsbotschafter“, die in ihrer Region über das Tier informieren, sowie zahlreiche Wolfsfans. Selbst den Kindern wird plausibel gemacht, dass sie keine Angst vor dem Wolf haben müssen, auch wenn Märchen dies auf den ersten Blick vermitteln. 

Wolfs – Comeback in Thüringen

NABU freute sich erstmals 2014 berichten zu können, dass sich eine Wölfin (Fähe) im grünen Herzen Deutschlands befände. Sie wurde das erste Mal auf dem Standortübungsplatz in Gotha-Ohrdruf gesichtet und mittels der Losung konnte herausgefunden werden, dass diese Wölfin Teil einer Lausitzer Wolfsfamilie war.

„Nun ist Thüringen wieder Wolfsland. Die Menschen müssen sich aber erst wieder an die Anwesenheit dieses faszinierenden Beutegreifers gewöhnen […].“ -Silvester Tamàs, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf in NABU Thüringen-

Leider nicht nur positive Reaktionen

Der Bericht über die Wölfin aus der Lausitz sorgte für Aufruhr, auch unter den Jägern. In der Zeitschrift „Jäger. Zeitschrift für das Jagdrevier“ wurde von einer absichtlichen Umsiedlung des Wolfes aus der Lausitz nach Ohrdruf berichtet. NABU konterte daraufhin, dass dies nicht der Wahrheit entspreche, denn die Route der Wölfin sei wissenschaftlich belegt und mit dieser Falschmeldung wolle man absichtlich das Thema Wolf in ein schlechtes Licht rücken.

Ich finde NABU’s Standpunkt vertretbar, bin jedoch der Auffassung, dass man bei der Jägerschaft unterscheiden muss. Nicht jede Jägersfrau und jeder Jägersmann ist automatisch Wolfsfeind. Ich habe  z.B. einen Jäger in der Verwandtschaft, der dem Thema Wolf zwar kritisch gegenübersteht, aber dennoch einen neutralen Standpunkt vertritt und ich teile seine Auffassung. Mich freut es zwar, dass der Vierbeiner in Thüringen zurück ist und er dient der Regulation des Ökosystems, aber andererseits kann ich es nachvollziehen, wenn Landwirte und Viehzüchter sich davor fürchten, dass der Wolf ihr Vieh reißen könnte. NABU antwortet darauf mit speziellen Zäunen und angeblich sollen Bauern, die diesen Schutz für ihre Tiere benötigen, finanziell unterstützt werden. In Brandenburg scheint dieses Konzept bereits gut zu funktionieren.

Trotz solcher Schutzmaßnahmen besteht die Angst vorm Wolf bei einigen Menschen weiterhin…

Woher kommt die Angst vor dem „bösen“ Wolf?

Natürlich wird die Angst vorm Wolf im Kindesalter durch Märchen wie Rotkäppchen und die 7 Geißlein geschürt, wobei man differenzieren muss. Im Märchen Rotkäppchen ist zwar vom bösen Wolf die Rede, aber in Wirklichkeit ist das Tier ein Symbol für einen zwielichtigen Menschen, dem man nicht leichtfertig vertrauen sollte. Das Märchen der 7 Geißlein hat jedoch einen wahren Kern, denn Wölfe reißen auch ab und zu Nutztiere. (Sie können logischerweise nicht unterscheiden, was sie fressen dürfen und was nicht.)

Selbstverständlich haben nicht nur Kinder Angst vor dem grauen Gesellen. Es wird beispielsweise Unsicherheit in der Bevölkerung gesät. Ein Mann trat an die Öffentlichkeit, weil sein kleiner Hund angeblich von einem Wolf gerissen wurde. Dies wurde schnell verbreitet. Auch  BILD veröffentlichte „neue Märchen“ über das Tier und schürte die Angst damit nur noch mehr. NABU und andere Wolfsexperten klären solche Fälle zum Glück schnell auf und meistens stellt sich heraus, dass es sich bei den vermeintlichen Angriffen nicht um einen Wolf handelte, sondern um einen wolfsähnlichen Hund. Das Problem sei, dass viele Hunderassen extra darauf gezüchtet werden wie ein Wolf auszusehen (z.B. Tamaskan oder Tschechoslowakischer Wolfshund) und es bei Fällen wie diesem schnell zu Verwechslungen und Verurteilungen käme.

Ab und zu kommt es vor, dass Wölfe in waldnahen Gebieten um die Häuser ziehen. Auch das verursacht Panik, doch dazu muss man wissen, dass der Wolf extrem anpassungsfähig und nicht an einen bestimmten Lebensraum gebunden ist, somit kann es vorkommen, dass er durch besiedeltes Gebiet streift, aber nicht die Absicht verfolgt einen Menschen anzugreifen.

„Mythen“ um den Wolf

Weiterhin hält sich der Irrglaube, dass Wölfe im Winter hungern und deshalb dazu neigen Menschen anzugreifen hartnäckig. Das ist jedoch unwahr, denn der Mensch gehört keineswegs zum Beutespektrum des Wolfes. Außerdem hungern Pflanzenfresser, die als Beute des Wolfes dienen im Winter schneller, werden dadurch schwach und somit zur leichten Beute.

Ein anderer Irrglaube ist, dass der Wolf gejagt werden muss, damit er Angst vor dem Menschen hat und diesen nicht angreift. Diese Ansicht war in Italien auch weit verbreitet, doch als der Wolf unter Schutz gestellt wurde, kam es nicht zum Angriff auf den Menschen.

Wolfsangriffe

Zwischen 1950 und 2000 kam es zu 59 Angriffen durch den Vierbeiner in Europa, doch dieser litt dann entweder an Tollwut, oder der Mensch wurde durch von ihm eingeführte Habituation vom Wolf mit Nahrung assoziiert. Ein anderer Grund war Provokation, z.B. in die Enge treiben.

Bilanz

Wie man erkennen kann ist der Wolf ein scheuer Geselle, der bei ausreichender Einzäunung der Nutztiere weder Gefahr für Kuh, Schaf oder Ziege; noch für Mensch darstellt. Eine Statistik von NABU zeigt, dass der Wolf sich zu 93% von Reh, Rothirsch und Wildschwein ernährt und nur zu 0,8% von Nutzttieren.

Ich würde mich freuen, wenn der graue Geselle in Thüringen bleibt und die Bedenken der Bevölkerung verloren gehen, denn der Wolf dient nicht nur zur natürlichen Regulation des Ökosystems, sondern die Akzeptanz des Vierbeiners wäre auch ein Schritt in eine offenere Gesellschaft.

Bild: wolf von  Whitewolf Photography unter CC BY-NC-ND 2.0

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Ein Gedanke zu “Der Wolf – das seltene Wildtier erobert Deutschland zurück

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