Sigmund Freud wird 160. Da kommt Freude auf!

Einblick in Sigi’s Leben

228705707_b26afccb91_nAm 6.05.1856 wurde der zukünftige Psychoanalytiker und Nervenarzt in Freiberg als eins von 8 Kindern geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie und war das Lieblingskind seiner Mutter. Mit dieser Erfahrung begründete er seine spätere Selbstsicherheit. Sigmund und seine Familie zogen nach Wien um und lebten in ärmlichen Verhältnissen, was dem aufmerksamen Jungen nicht entgehen konnte. In der Schule soll Sigi sehr fleißig gewesen sein und absolvierte 1873 seine Matura mit sehr guten Noten. Er begann ein Medizinstudium in Wien und promovierte 1881 schlussendlich zum Doktor der Medizin, indem er über das Rückenmark niederer Fische schrieb. Anschließend erhielt Freud eine Anstellung als Wissenschaftler am psychologischen Institut von Ernst Brücke, welcher weitreichenden Einfluss auf Freuds Denken nahm. Weiterhin absolvierte er ein Stipendium in Paris an einer psychatrischen Klinik, wo Jean- Martin Charcot wirkte. Durch diesen wurde Sigi auf die Möglichkeit der Hypnose als Heilung von Neurosen aufmerksam.  1886 eröffnete er schließlich seine Praxis in Berlin, wo er weitestgehend Menschen der Oberschicht behandelte. Er setzte 1887 erstmals Hypnose zur Behandlung neurotischer und hysterischer Störungen ein. Letztendlich wandte sich Freud von der Hypnose ab und widmete sich der Psychoanalyse ( Verfahren zur Untersuchung seelischer Vorgänge) , die gestützt wurde durch Traumdeutungen und Assoziationen, zu.  Weiterhin sah er sich später als Religionsfeind und fand sich im Zwiespalt seiner gläubigen Familie und seiner atheistischen und wissenschaftlichen Grundeinstellung wieder. Zu Beginn des Nationalsozialismus nahm Sigmund die Gefahr für sich und seine Familie zunächst nicht wahr, erst als die Gestapo 1938 seine Tochter Anna für ein Verhör festhielt, erkannte er den Ernst der Lage und ging mit seiner Familie nach Großbritannien ins Exil, wo er 1939 die Sterbehilfe verlangte, da er schwer an Krebs litt.

Freud – ein Revolutionär?

Freud wurde ausgehend von seiner Beschäftigung mit dem Menschen und dessen Stellung in der Welt mit Kopernikus und Darwin gleichgestellt.

Vor Freuds Wirken und Schaffen wurden psychische, ebenso wie physische Leiden mit Medikamenten behandelt. Er erkannte, durch seinen Aufenthalt in Paris, dass es möglich ist psychische Krankheiten mit Hilfe von Gesprächen zu heilen. Charcot lieferte Freud  somit den Anstoß für ein revolutionäres Weltbild, bei dem das Unbewusste und die Triebe des Menschen erstmals im Mittelpunkt psychologischer Erkenntnisse standen.

Eine kleine Auswahl von Freuds Erkenntnissen, Modellen und Theorien

Das Freudsche Eisbergmodell

Man kann sich die menschliche Psyche vorstellen, wie ein Eisberg im Meer, das heißt nur die „glänzende“ Oberfläche ist sichtbar. Dies ist das Symbol für das äußere und bewusste Verhalten. Nicht sichtbar ist jedoch der Teil unter Wasser. Dieser wird auch als unbewusster Teil bezeichnet. Direkt unter der Wasseroberfläche befinden sich die Emotionen, diese können bei belastenden, bewegenden oder erfreulichen Situationen an die Oberfläche gelangen. Bestimmte Verhaltensmuster die zu Tage treten lassen sich jedoch nur schwierig erklären, da die Person oftmals selbst nicht weiß, warum sie so gehandelt hat. Das lässt sich auf das innere Wertesystem und/oder Erfahrungen im Kindesalter zurückführen. Dieser Teil befindet sich am Fuße des Eisbergs.

Modell der Psyche oder Instanzlehre

Laut Freud besteht die menschliche Psyche aus drei Teilen: Es, Ich und Über-Ich. „Es“ ist dabei der unbewusste, triebhafte Teil. Das „Über-Ich“ hingegen, ist für Gebote, Verbote und Ideale zuständig. Somit bildet das „Ich“ den Vermittler und ist die Einheit des vernünftigen, selbstkritischen Denkens. Freud formulierte anhand dieses Modells die These, dass das Unbewusste das Bewusste beeinflusse. Etwa 90% aller Entscheidungen kämen aus dem Unterbewussten. Natürlich spielen auch äußere Einflüsse, wie Normen bzw Wertevorstellungen eine herausragende Rolle.

Traumtheorie

„Der Traum ist die Erfüllung eines unterdrückten Wunsches.“ – Sigmund Freud-

Der Traum sei ein psychischer Zustand, in dem entstellte Inhalte aus dem Unterbewusstsein wiedergegeben werden und direkten Zugang in die Sphäre des Psychischen ermöglichen. Der Traum sei laut Auffassung Freuds immer der Ausdruck unbewusster Wünsche und Triebkonflikte. Selbst dieser Theorie widersprechende Albträume ordnete der Psychoanalytiker der Wunscherfüllungstheorie unter. Weiterhin könne der Inhalt des Traumes auf drei Ursachen zurückgeführt werden:

  • Körperliche Reize
  • Erlebnisse des Tages oder der letzten Wochen
  • unbewusste Konflikte

Wie viel Wahrheit steckt hinter Freuds Erkenntnissen?

Freuds Theorie, dass Träume die Erfüllung unserer Wünsche darstellen ist ebenso wie seine gesamten Spekulationen über die Symbolik von Träumen nicht zutreffend, oder zumindest nicht belegbar. Jedoch sind Wünsche als Trauminhalte sehr selten und die Ereignisse der vergangenen Tage dominieren oft unsere Träume. Sicher ist auch, dass der Traum nicht wie Freud annahm „Hüter des Schlafes“ ist, sondern häufig zum Erwachen führt und auf einen leichten Schlaf hindeutet.

Weiterhin behauptete Freud, dass Frauen ein schwächeres „Über-Ich“ hätten und somit unmoralischer handeln würden, öfter neidisch – und generell sozial weniger interessiert sind. Diese Vorstellung ist natürlich längst überholt.

Dass Freud offenbar nicht immer auf dem Weg der Erleuchtung wandelte,  würde auch die nicht gerade niedrige Suizidanzahl seiner Patienten erklären. Das Eisberg- und Instanzmodell sind jedoch heute noch aktuell.

Für Freud gibt es viele Bezeichnungen…

…wie Entdecker des Unbekannten, Vater des Ödipuskomplexes, Kulturtheoretiker, Begründer der Psychoanalyse, Neurologe, Arzt und Schriftsteller. Doch was steckt eigentlich hinter diesen nichtssagenden Namen und Titeln? Nun viele Wissenschaftler sind sich einig: Freud ist für die Psychologie der heutigen Zeit nicht mehr relevant. Trotzdem ist er kurioserweise bekannter als z.B.  Edward L. Thorndike, welcher wirklich tragende Erkenntnisse hervorbrachte.

Wie man die Freudschen Theorien letztendlich interpretiert und ob man ihnen Glauben schenkt oder nicht, ist wohl jedem selbst überlassen, die Psychologen tun es jedenfalls nicht.

In diesem Sinne wünsche ich freudsche, äh ich meine freudige Träume.

Bild: Freud – Exploring the unconscious mind von One From RM unter CC BY 2.0

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2 Gedanken zu “Sigmund Freud wird 160. Da kommt Freude auf!

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