Verrottende Mauern

P1090254 (320x240)Verlassene Mauern sind alte Seelen, die uns eine Zeitreise in die Vergangenheit ermöglichen und uns daran erinnern, dass alles vergänglich ist.

Zu Beginn meiner Zeitreise stand ich vor dem von Gestrüpp und Bäumen umringten Haus. Unkraut wuchs aus den Ritzen des alten Gemäuers und Äste ragten durch die Fensteröffnungen in das Innere des Gebäudes.

Es schien, als ob die Natur nun diese Mauern beanspruche. 

Der Eingang klaffte türlos, wie ein hungriges Maul vor mir auf und als ich über die Schwelle des Hauses trat, war ich in einer anderen Welt.In einer, die nicht mir gehörte, sondern Menschen, die längst von uns geschieden sind.

Ein modriger Geruch nach altem, nassem Holz empfing mich. Die Tapete beugte und krümmte sich unter der Feuchtigkeit und hing teils nur noch in Fetzen von der Wand. Bei jedem Schritt seufzten und ächzten die Dielen unter meinen Füßen, offene Türen knarrten und quietschten im kühlen Luftzug. Gespenstisch. Es pfiff aus allen Spalten dieses verrottenden Mauern und es schien, als ob das Haus für mich ein Lied von alten Tagen sang mit schwerfälliger Melodie . Es fröstelte mich angesichts der Kälte und Einsamkeit, die das Haus verströmte.

Als ich ein Zimmer betrat, schien es als ob die Bewohner sich verirrt und nie wieder zu ihrem Heim zurückgefunden hätten. Fensterläden standen offen, als wolle man lüften, von Motten zerfressene Vorhänge wehten im Wind und ein Stuhl stand nur noch wakelig auf seinen Beinen.

Ich ging weiter über den schmalen, düsteren Gang. Zum Glück bemerkte ich das klaffende Loch rechtzeitig und als ich hineinschaute, erkannte ich nichts als klaffende Dunkelheit. Als ich den nächsten Raum betrat, war ich überrascht, denn dort befand sich nichts, außer einer alten, ungeliebten Lampe.

Am Ende des Ganges befand sich eine sehr schmale Wendeltreppe, die nicht sonderlich vertrauenswürdig erschien, doch die Neugier siegte. Als ich unten im stockdunklen Keller angelangt war, schaltete ich meine Taschenlampe an. Das Spiel aus Licht und Dunkelheit formte groteske Figuren und die Stimmung war beklemmend. Die Scherben eines zerbrochenen Spiegels funkelten, wie dutzende Augen, als der Strahl meiner Taschenlampe sie ins Licht tauchte. Das alles wirkte irgendwie surreal. An die gegenüberliegende Wand hatte jemand in roter Farbe „Hilfe!“ gesprüht und darunter befand sich der Abdruck einer Hand. Es wirkte verstörend.

Der Keller bestand aus mehreren Räumen und in einem dieser befand sich eine andere und vertrauenserweckendere Treppe, als die, welche ich nahm. Auf den Treppenstufen waren jeweils an den Seiten halb abgebrannte Kerzen zu finden, ob hier jemand eine schwarze Messe abgehalten hat? Schnell ging ich weiter und nach den nächsten 2 oder 3 Räumen erkannte ich einen kleinen Lichtstreifen, auf den ich kontinuierlich zuging. Dabei handelte es sich um eine angelehnte Seitentür.

Als ich die Schwelle passierte sog ich die frische Luft tief ein, das Singen der Vögel empfing mich und ich stand im Grünen. Nachdenklich blickte ich zu dem Haus zurück, welches nach und nach zu Staub zerfällt.

Bild: von mir

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