Die absurde Welt des Raffael

 

magic-1442661_640Traum oder Wirklichkeit?

Raffael schlug die Augen auf. Schwärze umfing ihn.Die Sorte zähflüssiger, pechähnlicher Schwärze. Undurchdringlich und lässt die grausamsten Assoziationen zu.

Er bewegte seine Hände und Füße, um sicher zu gehen, dass diese noch vorhanden waren. Raffael wandt seinen Kopf hin und her auf der Suche nach einfallendem Licht und verfiel in Panik, als er bemerkte dass ihn nichts als unergründliche Dunkelheit umpfing. Schon im Kindesalter hatte er es gehasst, wenn seine Mutter abends die Jalousien herunter ließ. Raffael begann am ganzen Körper zu zittern und atmete schnappend, verschluckte sich und bekam einen heftigen Hustenanfall, der seltsam gedämpft klang. Reiß dich zusammen!, ermahnte er sich und zählte stumm von 100 rückwärts. Bei null angekommen tastete er mit den Händen seine Umgebung ab. Holz….„Ahhh scheiße!“, er hielt sich die schmerzende Hand in der nun ein Holzsplitter steckte. „Verfluchter Mist in welchem Drecksloch bin ich hier eigentlich gelandet?!“ Raffael schärfte seine Sinne. Die Luft war abgestanden und hatte einen modrigen Beigeschmack. Zu hören war nichts, außer sein eigener Atem. Er setzte sich auf den Boden, der offenbar auch aus Holz war und grübelte über seinen Aufenthaltsort nach. Plötzlich fiel ein kleiner Lichtstrahl durch ein winziges Loch über ihm.Wenige Kleider und Blusen hingen ordentlich auf den Kleiderbügeln neben ihm. Es reichte aus um festzustellen, dass er sich in einem geräumig und spärlich bestückten Kleiderschrank befand. Was um alles in der Welt… Er rappelte sich auf und spähte durch das winzige Loch. Überrascht schlug sich Raffael die Hand vor den Mund, als er den nackten Rücken einer Frau sah, die im Raum stand und sich die dunklen Haare kämmte. Was tue ich hier eigentlich?! Seine Gedanken überschlugen sich, was sollte er sagen, wenn die Fremde plötzlich den Schrank öffnet, ihn sieht und die Polizei ruft. Er hatte keinen Schimmer, wie er hierher geraten war. In seinem Hirn ratterte es. Schlafwandeln? Unmöglich! Hatte er noch nie gemacht und wie sollte man durchs Schlafwandeln in den Kleiderschrank einer wildfremden Frau gelangen?! Schnell wischte er den Gedanken bei Seite und grübelte stattdessen darüber nach, was er der Fremden sagen sollte, falls sie den Schrank öffnete. Hi ich bin Raffael, seit kurzem der Bewohner Ihres Kleiderschranks, brauchen Sie was? Bluse, T-Shirt, Kleid? Ich berate Sie auch gern! Bevor er weiter darüber nachdenken konnte flötete die Fremde: „Raffael, wo bist du? Ich weiß, dass du dich hier irgendwo versteckst….“ Schweigen. Er war vollends verwirrt und brachte kein Wort heraus. Die Fremde kannte seinen Namen!!! Er rieb sich die Stirn und versuchte sich verzweifelt an die dunkelhaarige Frau zu erinnern, doch die schlanke Gestalt weckte keinerlei Erinnerung in ihm. „Raffael! Du Stalker…komm schon raus! Ich weiß, dass du da bist. Du hast das Fenster nicht geschlossen.“ Raffael fuhr sich nervös durch die Haare. Was sollte er tun? Einer wildfremden nackten Frau gegenübertreten, die ihn auf mysteriöse Weise wie ihren Liebhaber behandelte? „Raffael“, mit ihrem südländischen Akzent klang sein verhasster Name melodisch. „Du bist im Schrank, habe ich Recht?“ Sie lachte perlend und drehte sich zu ihm um. In diesem Moment öffnete Raffael die Schranktüren. Die Fremde hatte ihre 1001 Nacht-Augen entsetzt aufgerissen und presste die Hand auf eine Wunde in ihrer Brust. Blut rann durch ihre Finger und tränkte den cremefarbenen Teppich. Sie sackte in die Knie und sank schließlich leblos zu Boden. Raffael stand paralysiert vor dem Kleiderschrank und bemerkte, dass er eine Pistole in der Hand hielt. Er wusste nicht wie viele Minuten er dagestanden hatte und wortlos von der Pistole in seiner Hand zu der leblosen Frau gesehen hatte, als er das Knarzen der Treppenstufen und das Pochen eines Gehstockes vernahm. Seine Mutter kam um die Ecke gehumpelt. „Ich….“, begann er krächzend. „Da hast du aber eine ganz schöne Sauerei angerichtet.“, bemerkte sie trocken. So, als hätte er ein Glas Saft auf dem guten Teppich verschüttert. Fassungslos starrte er seine Mutter an, die sich humpelnd entfernte und irgendetwas von „Putze informieren“ faselte. Endlich waren seine Beine nicht länger wie festgenagelt und er stürmte hinter seiner Mutter her. Plötzlich schlug eine Tür vor ihm zu und ihn umfing wieder vollkommene Dunkelheit. Er tastete vorsichtig und war sich sicher wieder im Schrank zu sein. Diesmal roch es nicht modrig, sondern metallisch, etwas süßlich. Langsam tastete Raffael sich vor und erfühlte eine Art Lichtschalter den er betätigte. Eine kleine Funzel baumelte im Schrank und tauchte das Innere in trübes Licht. Raffael tastete sich weiter vor und schob Kleiderbügel zur Seite. Da! Ein Geräusch! Ein unregelmäßiges Tropfen. „Hallo?“ Keine Antwort. Er sah sich im Kleiderschrank um und plötzlich hing es vor ihm, ein blutgetränktes Kleid. Erschrocken sprang Raffael zur Seite, was den Schrank ins Wanken brachte und umkippen ließ. Wider erwarten schlug er nicht auf dem Boden auf, sondern im Wasser. Ein Fluss? Ein See? Ein Meer?  In sekundenschnelle füllte sich der Schrank mit Wasser. Raffael wich panisch zurück. Er hatte Angst vor engen, mit Wasser befüllten Räumen seit die Jungs aus der 10. ihn so lange in einer Regentonne unter Wasser drückten bis er beinahe ohnmächtig wurde. Der Schrank füllte sich unaufhaltsam mit Wasser und sank in die Tiefe. Wer wollte ihm das antun? Kurz vorm Ertrinken schrie er aus Leibeskräften auch wenn er wusste, dass es sinnlos war. Wer sollte ihn hier unten hören?! Trotzdem schrie er und wollte gar nicht mehr aufhören.

Er fiel unaufhörlich und schreckte hoch, Kabel und Schläuche an seinem Körper mitreißend. Irritiert schaute sich Raffael in dem geräumigen Krankenhauszimmer um. Draußen war ein herrlicher Frühlingsmorgen und durch das Fenster hatte Raffael einen guten Blick über den benachbarten Park. In dem viele Patienten mit Angehörigen spazieren gingen. Plötzlich öffnete sich die Tür seines Zimmers und eine junge Krankenschwester trat ein. Sie strahlte. „Guten Morgen Herr Winter! Da wird sich Ihre Mutter aber sehr freuen, wenn Sie sieht, dass sie aus dem Koma erwacht sind.“ Raffael schaute irritiert und wollte etwas einwenden, da vernahm er das Klacken des Gehstocks.

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