Plastik, unser Lebensbegleiter?! #4

plastic-bottles-115074_640Nach zwei Dokumentationen und diversen Blogbeiträgen einer Plastik-Verweigerin, trottete ich benommen in die Küche und schaute mich um. Ich fasste mir an die Stirn und überlegte was um Himmels Willen ich hier eigentlich wollte. Ich schaute mich um und sah auf Anhieb 2 Plastikflaschen, Cocktailtomaten in der Plastikverpackung, Toastbrot in der Plastikverpackung, Tellerpfirsiche (hhmm lecker) in der Plastikverpackung. Ich öffnete den Kühlschrank: Joghurt im Plastikbecher, Möhren in der Plastikschale, Käse in der Plastikverpackung. ALLES aus Plastik! Wumms, die Kühlschranktür flog zu. Deprimiert lehnte ich mich dagegen. Nun habe ich schon 3 Artikel zum Thema Plastik geschrieben und habe immer noch nichts gelernt.

Es ist so schön einfach, billig und unkompliziert immer wieder auf Kunststoff zurückzukommen. Ich meine hallo?! Wer macht sich bitte ständig Gedanken darüber, ob das Produkt nun in Plastik eingepackt ist oder nicht? Wenn ich einkaufe, soll es schnell gehen! Mich nervt das Gewusel in den Supermärkten und die endlosen Schlangen an den Kassen. Aber das ist natürlich keine Ausrede, vor allem nicht wenn man bedenkt, dass 240 Millionen Tonnen Plastik jährlich produziert und verbraucht werden. Dabei geht bis zu 6% der weltweiten Erdölproduktion drauf. Und wenn man dann noch bedenkt, dass Plastik für Unfruchtbarkeit, Hormonstörungen, Allergien und Krebs verantwortlich gemacht wird, ist mir schon ganz schwindelig.

Ok, die Erkenntnis ist da: Ich muss mein Konsumverhalten ändern!

Auf das Bewusstsein und die ersten Schritte käme es an, sagte ein Student. Dieser lebt zusammen mit Freundin und Kind seit drei Jahre plastikfrei. Na ja, zumindest beinahe.

In kleinen Schritten zum plastikarmen Alltag

Um der Gesundheit und Umwelt etwas Gutes zu tun, verzichten immer mehr Menschen auf Plastik. Dabei ist ein radikaler Bruch mit Kunststoff wenig empfehlenswert und macht keinen Spaß. Deshalb ist es sinnvoll in kleinen Schritten vorzugehen. Zunächst auf Plastiktüten verzichten und stattdessen auf Stoff-und Papiertüten umsteigen. Man solle sich nie übernehmen bzw zu viel auf einmal vornehmen, sagte eine langjährige Plastikaussteigerin. Nachdem wir auf die Plastikbeutel erfolgreich verzichtet haben, ist es sinnvoll das Plastikgeschirr durch Glas und Keramik zu ersetzen. Ganz ehrlich: Von Plastiktellern schmeckt es mir sowieso nicht so gut, aber vielleicht ist das nur mein subjektiver Eindruck. Dasselbe gilt für Plastikflaschen. Und da sollten wir die Bequemlichkeiten von wegen Glasflaschen sind zu schwer oder zu unpraktisch einfach ignorieren! Auch Milch und Joghurt sind im Glas erhältlich. Nun müssen wir uns eben etwas umschauen, anstatt gewohnheitsgemäß zum Plastikbecher zu greifen.

Käse und Wurst aus dem Kühlregal? Wohl eher nicht! Das ist alles in Plastik verpackt. Und bitte hier NICHT schummeln, denn fetthaltige Lebensmittel wie Käse lösen Weichmacher aus der Kunststoffverpackung. Im Labor wurden verschiedene Lebensmittel auf Weichmacher getestet und dabei wies der Käse „Saint Albray“ (den ich nebenbei gesagt sehr gerne gegessen habe) die höchste Konzentration auf. Also Finger weg und lieber zur Käse – und Fleischtheke gehen! Damit auch diese Produkte nicht wieder in Frischhaltefolie verpackt werden, lohnt es sich einen Metall- oder Glasbehälter mitzuführen. Dies wird zwar nicht gern gesehen, aber dennoch meistens respektiert. Bei Nudeln ist es ebenfalls sinnvoll zu einer plastikfreien Verpackung zu greifen. Eine Bloggerin empfahl Nudeln von Barilla ohne Plastiksichtfenster.

Übrigens: Ich liebe Gewürze! Kürzlich stellte ich fest, dass sich ein Großteil der Gewürze im Supermarkt in Plastikdosen befindet. Da gibt es nur die Möglichkeiten zur etwas teureren Glasvariante mit Plastikdeckel zu greifen oder in einen Gewürzladen zu gehen. Tja, dann nenne mir jemand einen Gewürzladen in den verschlafenen Käffern Thüringens. Hier gibt es ja nicht mal einen Supermarkt! Na ja ich ziehe bald nach Leipzig, da wird sich schon ein Gewürzladen finden. (Immer der Nase nach.)

Weiter geht’s zu den Körperpflegeprodukten. Ich gebe zu, dass ich insgeheim diese pastellfarbenen, schäumenden Duschbäder liebe, die nach Grapefruit, Kirsche oder Erdbeere duften. Aber leider, leider ist in solchen Produkten sehr viel Mikroplastik zu finden. Wascherde, auch Lavaerde genannt, von Weleda soll eine gute Alternative zu herkömmlichen Duschbädern und Shampoos sein. Von Weleda gibt es sogar Zahnpasta in Metalltuben. Eine Alternative zur Lavaerde sind feste Seifen aus Milch und Olivenöl.  Was Kosmetikprodukte anbelangt, gibt es gute Nachrichten für alle Schminkwütigen! Die Produkte von „Grüne Erde“ sind frei von Silikonen und anderen schädlichen Stoffen, die man sonst so in Kosmetik findet, außerdem aus biologischem Anbau und ohne Tierversuche hergestellt. Natürlich befinden sich auch diese Kosmetikprodukte in Papier-und Glasverpackungen. Bei anderen Pflegeprodukten sind es oftmals nur die Plastikdeckel, welche stören. Wenn ihr ganz genau sein wollt, kann man diese z.B. durch Korken ersetzen.

Ich finde beim Thema Reinigungsmittel sollten wir auch zweimal hinschauen, bevor wir zugreifen, denn da besteht nicht nur die Verpackung meistens aus Plastik, sondern auch der Inhalt (der sich oft durch beißenden Geruch auszeichnet) ist ungesund und umweltschädlich. Stattdessen reicht z.B. als WC-Reiniger Zitronensäure in Pulverform aus.

Wir sollten uns bewusst machen, dass in Luft und Hausstaub ebenfalls Plastikpartikel vorhanden sind, deshalb ist nass wischen mit Essigessenz (alternativ: Natron und Waschsoda) und täglich mehrmals Stoßlüften unerlässlich.

Selbstverständlich gibt es auch kunststofffreie Kleidung aus natürlichen Materialien (z.B. Baumwolle). Wenn ihr jetzt denkt: Wie, in Kleidung ist Kunststoff?!, kann ich das nur bestätigen. In unseren Kleidungsstücken befinden sich Weichmacher, krebserregende Amine, Schwermetalle, und, und, und. Diese Stoffe werden bei der Verarbeitung und Färbung angewandt. Bei modischen Ansprüchen, wie ich sie habe, stelle ich mir einen Kunststoffverzicht kompliziert und teuer vor. Da bleiben mir schweren Herzens nur wenige Optionen: Shoppingwahn eindämmen, in Second Hand Läden und auf Flohmärkten einkaufen. Da hätte ich wieder das Problem mit der Dorfgegend, solche Läden gibt es in ländlichen Regionen schlicht und ergreifend nicht.

Was Schreibutensilien anbelangt gibt es für Provinzler gute Nachrichten! Denn es gibt Radiergummis aus Naturkautschuk, Metallspitzer und Holzlineale so gut wie überall.

Zwar habe ich einige Alternativen zur Vermeidung von Plastik aufgezählt, aber 100% plastikfrei ist unmöglich. Kabel bestehen zum Teil aus Kunststoff, genauso wie unsere Laptops und Handys. Bestellungen im Internet werden oft in Plastikverpackungen geliefert und Sonnenlotion gibt es wohl auch nur in der Plastikdose. Auf andere Dinge, wie Chips, Quark oder Magarine, die sich in der Plastikverpackung befinden, kann man verzichten. Obwohl, ab und zu darf man auch mal „sündigen“.

Inwiefern ihr euch diese Tipps zu Herzen nehmt ist euch überlassen. Ich bevorzuge bei solchen Themen wie „plastikfrei leben“ immer einen Mittelweg. Ich möchte nicht auf zu viele Produkte verzichten müssen, aber dennoch meinen Plastikkonsum reduzieren.

Fakt ist: Plastikfrei einkaufen ist am Anfang weder einfach, noch billig und schon gar nicht schnell erledigt, darüber sind sich Plastikaussteiger einig. Tja, als nicht sehr vermögende Studentin werde ich mir nicht ständig plastikfreie Produkte leisten können, aber Papier-und Stoffbeutel, Glasflaschen, Vermeiden von Plastikgeschirr, natürliche Reinigungsmittel und (ab und an) Lavaerde stellen glaube ich kein Problem dar.

Hiermit ist meine kleine Reihe über Plastik beendet. Ich hoffe ihr fühlt euch informiert und inspiriert und vielleicht wandelt ihr jetzt auch mit einem anderen Blick durch die Supermärkte…

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Ein Gedanke zu “Plastik, unser Lebensbegleiter?! #4

  1. Ich glaube man muss einfach anfangen. Und das machst du ja. Jedes mal „ohne“ ist ein kleingroßer Gewinn. Gestern habe ich nach einem Shampoo ohne Plastik gesucht… das war eine echte Herausforderung. Man muss ja ständig die ganzen Abkürzungen (PE, PP, AC, ACS etc.) im Kopf haben…

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