Atommüll- ein unlösbares Problem?!

nuclear-waste-1471361_640Durch eine Freundin wurde ich auf die Doku „Versenkt und Vergessen – Atommüll vor Europas Küsten“ aufmerksam. Die Dokumentation ist zwar schon etwas älter, aber ich habe bis vor Kurzem noch nichts davon gewusst. Ich finde es beängstigend und begann mich im Zuge dessen intensiver mit der Problematik Atommüll und Endlagersuche zu befassen. Es ist nach wie vor brandaktuell. Durch meine Recherche erhielt ich Einblick in die Schwierigkeit und Komplexität des Themas Atommüll, erfuhr von den Abgründen der Atomindustrie und welche Gefahren hinter alldem stecken…

Jahrelang galt Atomenergie als „saubere“ und „unbedenkliche“ Energie, doch seit dem Reaktorunglück in Fukushima wurden die ältesten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet. Bis jetzt sind noch acht AKW am Netz, das soll sich ändern. Bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet sein.

1) Was genau ist in Fukushima passiert und warum ist Atomkraft gefährlicher als angenommen?

Die sogenannten Pellets enthalten den Brennstoff eines Kernkraftwerks. Die Pellets wiederum, befinden sich in den Brennstäben. Darin findet die Spaltung des Atoms statt. Bei Verbrauch folgt die Umwandlung in hoch radioaktive Spaltprodukte.Diese erzeugen Wärme und bedürfen Kühlung, ansonsten würden sie schmelzen. Das ist in Fukushima passiert. Der Atommüll muss also erst in einem Abklingbecken fünf Jahre lang gekühlt werden, dann kommt er in Castoren ( Behälter zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials). Diese Castoren häufen sich zunächst in einem Zwischenlagern und warten auf ein Endlager.

2) Warum der Aufwand?

Die Radioaktivität nimmt über einen großen Zeitraum nur sehr langsam ab. Um die Menschheit vor Krebs oder der Strahlenkrankheit zu schützen, versuchen Politiker und Forscher geeignete und sichere Endlager für den Atommüll zu finden. Das Dilemma vor dem sie nun stehen ist: Wie bewahren wir die Menschheit vor der Strahlenlast für bis zu 1 Millionen Jahre? Es darf nichts an die Oberfläche oder ins Grundwasser gelangen und das Wissen um die Endlager muss für eine enorme Zeitspanne erhalten bleiben. Geologische Veränderungen stellen das Hauptproblem für die Endlagersuche dar.

3) Welche Möglichkeiten gab und gibt es um den Atommüll loszuwerden?

→ Entsorgung im Meer

Bis 1993 war es gestattet den Atommüll in Fässern einfach in die See zu werfen. Veklappt wurde schwach radioaktiver Müll aus Krankenhäusern, sowie Müll aus Atomanlagen. Seit Jahrzehnten wird das Meer als Endlagerstätte genutzt. Die Fässer rosten am Meeresgrund versenkt und vergessen vor sich hin.

Im Mai 1967 wurde das Frachtschiff „Topaz“ mit Atommüll aus Deutschland, Frankreich und Großbrittanien beladen. In mindestens 4000 m Meerestiefe sollte die Verklappung stattfinden. Die Hypothese, dass der Atommüll sich im Wasser verdünne, wurde nur von Greenpeace-Aktivisten hinterfragt, welche auf die Verklappungen aufmerksam machten und daraufhin kriminalisiert wurden. Somit wurde das Meer weiterhin zum Endlager. Mehr als 10.000 Tonnen Atommüll wurde im Nordost-Atlantik, in der Irischen See und im flachen, britischen Ärmelkanal verklappt.

John Large, ein Atomphysiker kennt sich aus mit der Entsorgung von radioaktiven Müll im Meer aus. Er berichtete Folgendes: Die Matrosen waren der Radioaktivität stets schutzlos ausgeliefert, wenn die maximale Strahlendosis erreicht war, wurde verklappt, egal wo. Das heißt, konnte ein Schiff aufgrund von Unwetter oder anderen Bedingungen nicht rechtzeitig sein Ziel erreichen, wurde der Müll an Ort und Stelle dem Meer übergeben. Somit weiß man nicht, ob die Datenangaben stimmen. Wie sollen Fässer für Kontrollmessungen gefunden werden? Zudem findet man in britischen Versenkungskarten bei Koordinaten, Meerestiefe und Strahlung häufig den Eintrag „unbekannt“.

Dr. John Cooper damaliger Leiter der Abteilung „Gefahren der Radioaktivität“ der britischen Gesundheitsbehörde wurde gefragt, ob die Versenkungskarten fehlerhaft seien. Cooper antwortete ausweichend.

John Large ist sich sicher, dass auch hoch radioaktiver Müll im Meer versenkt wurde. Das war und ist verboten. Nun stellt sich die Frage, ob dies Fehler oder Vorsatz war.

Michael Meacher, der britische Umweltminister von 1997-2003 befürchtet eine Absprache zwischen Verteidigungsministerium, Militär und Atomindustrie. Es ist und bleibt unmöglich herauszufinden was, wo und wie viel versenkt wurde. Die Auwirkungen sind demnach auch nicht kalkulierbar.

Man nahm an, dass radioaktiver Müll sich mit 1000l Wasser verdünnt und das Gift verschwindet. Das sei falsch, so Large. Mitte der 1980er Jahre fanden Forscher radioaktives Plutonium in Wasser, Meeresboden und Fischen. Von Lecks in Fässern ist offensichtlich auszugehen.

In Hurd Deep im Ärmelkanal bei gerade mal 100m Meerestiefe wurden Fässer mit Atommüll gefunden. Die Insel Alderney ist ganz in der Nähe und hier gibt es ungewöhnlich viele Krebskranke, sowie erhöhte Strahlungsmessungen. Bewohner der Insel und unabhängige Forscher führen eigene Tests durch und kamen zu anderen Ergebnissen, als die Atomindustrie. Sie sind dafür, dass die Fässer aus dem Meer geholt werden.

John Cooper wird dieser Vorschlag unterbreitet, doch er lehnt ab. In Hurd Deep gäbe es kein großes Risiko. Die beste Lösung sei die Fässer unten zu lassen. Er ist der Ansicht, dass sich das Gift verdünne und wäre das Meer kein Salzwasser, wäre es als Trinkwasser zu gebrauchen.

Prof. Claus Grupen ist anderer Auffasung: Radioaktivität kann sich lediglich verteilen, nicht verschwinden. Demzufolge ist eine steigende Radioaktivität im Meer zu erwarten. Wer jetzt, denkt, dass keine steigende Radioaktivität in den Meeren und Ozeanen zu erwarten sei, da das Verklappen seit 1993 verboten ist, denkt leider falsch. Die Atomindustrie hat nämlich eine andere Lösung: Es wurden kilometerlange Unterwasserrohre gebaut, um radioaktives Abwasser ins Meer zu leiten. Eines der Rohre kommt aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague (Frankreich, Normandie). Die Entsorgung per Rohren wurde zunächst verschleiert. Auch in Großbrittanien wurden radioaktive Abwässer über Rohre ins Meer geleitet. Man findet radioaktives Jod bis nach Deutschland. Der Molekularbiologe Pierre Barbey sagte, es bestehe ein Austausch zwischen der Tiefsee und den oberen Wasserschichten. Die radioaktiven Gifte reichern sich so in der Nahrungskette an. Am Ende der Nahrungskette lassen sich z.B. bei Krabben Schäden in den Geschlechtszellen nachweisen. Dies wird weiervererbt. Solche Erbschäden können bei Menschen genauso auftreten. Vor den Küsten Europas wurde außerdem in Schweinswalen und Kegelrobben giftiges Plutonium nachgewiesen.

Nun stellt sich die Frage, warum die Fässer verboten sind, aber die Einleitung radioaktiver Abwässer über Rohre genehmigt. Wolfgang Renneberg, ehemaliger Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium wies auf wirtschaftliche Gründe hin. Filteranlagen seien teuer und Anlagen würden sich nicht mehr rechnen. Es gibt also keinerlei wissenschaftliche Gründe.

An der norwegischen Küste wurden bereits atomare Abfälle gefunden und die Leukämierate stieg um das 10fache. Dies wird anscheinend bewusst geleugnet, doch wo soll das hinführen? Jedenfalls kann das Meer als Endlager für Atommüll bzw Abwasser nicht auf Dauer herhalten.

Schließlich wurde festgestellt, dass das „Recyceln“ der Brennstäbe in den Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague und Sellafield zu teuer und riskant ist. Unter anderem steht dort deutscher Atommüll, der nun zurück muss und gerecht auf die Bundesländer verteilt werden soll. Bayern wehrte sich, obwohl es das Bundesland mit dem meist produzierten Atommüll ist.

3.1) Welche Möglichkeiten gibt es nun den Atommüll gerecht und sicher zu verteilen und zu lagern?

Die Endlagersuche beginnt mit einer weißen Deutschlandkarte. Da kein Bundesland den Müll haben will.

Prinzipiell gibt es drei mehr oder weniger gute Möglichkeiten Atommüll zu lagern, nämlich in Ton, Granit und Salz. Erdbebenzonen werden ausgeschlossen, da von möglichen Beschädigungen auszugehen ist. Vulkanregionen werden im Hinblick auf die nächste eine Millionen Jahre auch ausgeschlossen. Großstädte werden ebenfalls ausgenommen, da es oberirdisch an Fläche fehlt und Castortransporte würden für Ärger sorgen. Deswegen setzt man auf Salz, Ton und Granit. Salz schließt Hohlräume und leitet die Wärme des Atommülls ab, aber die Bergung – falls nötig, aus dem verschlossenen Endlager wird in 500 Jahren kaum möglich sein.

Granit lässt sich nicht von eindringendem Wasser auflösen und ist sehr stabil, allerdings ist es oft von Brüchen und Rissen durchzogen. In den meisten Regionen ist es noch nicht klar, ob Risse vorhanden sind und wie groß sie sein müssen, damit der Standort ausscheidet.

Ton bietet eine gute Barriere gegen eindringendes Wasser und verhindert die Ausbreitung von Radioaktivität. Leicht und mittel- radioaktiver Müll soll jedoch auch mit aufgenommen werden. Das heißt ein größeres Endlager ist von Nöten. Bei Ton sind also nicht „nur“ 10km² nötig, sondern die doppelte Fläche.

Die Entscheidung über den Atommüll soll bis 2031 gefällt werden. Der Bau des Endlagers dauert dann bis 2045 und eingelagert wird circa bis 2075. Doch die Zwischenlager, wo die Castoren momentan gelagert sind, sind nur genehmigt bis 2045. Was dann? Werden die Castoren umgelagert?

Vorher müssen die Atommeiler zurückgebaut werden. Das ist aufwendig, riskant und teuer.  Laut dem Atomgesetz von 1959 muss der Verursacher des Atommülls für die Kosten der Erkundung bzw für den Unterhalt der Anlagen aufkommen, um eine geordnete Beseitigung des Atommülls zu gewährleisten.

57 Milliarden Euro planen die großen Energieversorger E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall dafür ein. Reiner Holznagel (Präsident vom Bund der Steuerzahler) ist sich sicher, dass die Kosten steigen werden. Trotzdem solle das Risiko für Steuerzahler gering gehalten werden. Natürlich bleiben noch die Kosten für das Zwischen-und Endlager, das macht noch 100 Milliarden Euro. Die Energieversorger sollen deshalb in einen Fond über 24 Milliarden Euro investieren. Dieser Fond soll Zinsen bringen, sodass am Ende des Jahrhunderts über 100 Milliarden Euro zusammenkommen.

Man müsse die Firmen in die Pflicht nehmen. Sie müssten sofort zahlen, aber dürften nicht komplett aus der Verantwortung entlassen werden, so Holznagel. Allenfalls muss vermieden werden, dass die Firmen sich freikaufen.

Man munkelt, dass die Rückstellungen von  E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall „nur“ Versprechen beruhen und nicht auf Konten angelegt seien.

Es erschließt sich, dass die Entsorgung von radioaktiven Müll eine Menge Aufwand, Kosten und Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb stellt sich die Frage:

4) Gibt es noch effektivere Möglichkeiten, um den Atommüll loszuwerden?

Es besteht die Möglichkeit den Atommüll umzuwandeln. Dies bezeichnet man als „Transmutation“. Die Idee ist, lang strahlende Elemente vom restlichen Müll abzutrennen und diesen mit Neutronen zu bestrahlen. Es erfolgt ein Zerfall in kurzlebige Elemente. Der Müll strahlt zwar immer noch, allerdings nach 1000 Jahren so, wie nach 1 Millionen Jahre. Das Hauptproblem dabei ist, dass sich die Stoffe nie zu einhundert Prozent trennen lassen.

Eine andere Option ist, den Atommüll in die Sonne zu schießen. Jedoch kann man eine Rakete nur mit 500 kg beladen und bis zur Sonne braucht man eine Menge Treibstoff. Allein für den deutschen Müll brauche man 21000 Raketen. Die Kosten würden in die Billionen gehen, abgesehen davon, dass ein Raketenstart immer risikoreich ist. Sollte er fehlschlagen, erfolgt die Kontamination.

Die Endlagersuche für den Atommüll ist also ein schier unlösbares Problem, zumindest wenn man alle Faktoren berücksichtigen will. Die Anforderungen an ein Endlager sind hoch, doch das ist meiner Meinung nach wichtig, um über einen möglichst langen Zeitraum Sicherheit zu garantieren.

Weiterhin gibt es die Debatte Atommüll nach Sibirien zu verfrachten. Angeblich wäre Moskau dazu bereit und es wäre auch lukrativ.  Tatsächlich wurde Atommüll aus Frankreich und Deutschland zwischen 1996 und 2008 von der Firma Urenco nach Sewersk in Sibirien verfrachtet und in dem dortigen Chemiekombinat neu angereichert. Das Erschreckende: Die Castoren mit dem Atommüll lagerten im Freien, Wind und Wetter ausgeliefert.

Solch eine Unverantwortlichkeit sollte nicht noch einmal begangen werden. Der Atommüll aus Deutschland und Frankreich soll auch in den entsprechenden Ländern bleiben. Klar ist das Thema Endlager für Atommüll schwierig, aber diese Tatsache darf kein Land dazu anhalten Atommüll ins Meer, in die Arktis, nach Sibirien oder sonst wo hin zu verfrachten. Ich hoffe, dass eine Lösung gefunden werden kann, um den Atommüll möglichst sicher zu lagern. Bis dahin gilt es Augen und Ohren offen zu halten und immer den Mund aufzumachen, wenn Regierungen oder Konzerne schmutzige Atommüll- Geschäfte machen wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Atommüll- ein unlösbares Problem?!

  1. Pingback: Rechte Parteien, Klimawandel, Rassismus – Was blüht uns 2017?#1 | buchstabenjongleurin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s