Seelenwächter: Kapitel 9

Berausche dich und du bist frei!

aMir blieb keine Zeit mich von dem Schock zu erholen. Sie hatten Sheyla geschnappt. Sie war hier bei mir. Das bedeutete sie könnten auch die anderen haben; Roxy, Charlie, Elijah, Luciana…Ich konnte keinen weiteren Moment still sitzen und tigerte stattdessen in der Zelle umher. Sheyla weckte das nicht auf. Sie schlief tief und fest. Entweder sie hatten ihr die Giftspritze verpasst oder sie war erschöpft von der Flucht. Ich hatte so viele Fragen. Nervös nagte ich auf meiner Unterlippe. Das Schlüsselgeklapper riss mich wieder aus den Gedanken. Der  Alte und  Jack öffneten die Tür. „Patient  1209 .“ Er schaute grimmiger als sonst und zerrte mich aus der Zelle. Die Handschellen klackten und schnitten schmerzhaft ein. „Vorwärts“ sagte der Alte und schubste mich in den Gang. Wortlos gingen wir den gewohnten Weg zum Psychodoktor. Der Alte zerrte und schubste mich, während Jack hinterher trottete. Der Psychodoktor fletzte in seinem Stuhl, als wir den Raum betraten. Seine schwammigen Hände lagen  auf der Armlehne. Ein Finger zuckte ungeduldig auf und ab. Die Stirn hatte er in 1000 Falten gelegt. Wortlos wies er auf den Stuhl mir gegenüber. Ich setzte mich, Jack und der Alte blieben im Hintergund stehen. „Wie geht es Ihnen Miss Carter?“ Er schien nicht interessiert an meiner Antwort. Ich schwieg. Er atmete geräuschvoll aus. „Haben Sie mir was zu sagen Miss Carter?“ Ich schaute irritiert. Ich hatte keinen Schimmer worauf er hinauswollte. „Der Psychodoktor schaute angestrengt und rieb sich über die Stirn. „Na dann werde ich Ihnen mal auf die Sprünge helfen. Er kramte einen zerknüllten Zettel heraus und legte ihn vor mich hin. Auf ihm stand „Eines Tages wirst du verstehen. Dein dich liebender Vater“ Ich starrte den Zettel mit schreckensweiten Augen an, wie das Kaninchen die Schlange. „Es ist höchst bedauerlich für Ihren Therapiefortschritt was sie getan haben Miss Carter. Aber natürlich müssen Sie Hilfe gehabt haben. Kein Patient hat es bisher geschafft das Sicherheitssystem lahm zu legen….deshalb Miss Carter werden Sie mir jetzt sagen, wer Sie unterstützt hat. „Nein.“Ich war innerlich aufgewühlt, aber meine Stimme klang fremd und gefasst. „Wie Sie wollen Miss Carter“, der Psychodoktor hob die Arme, „dann werden wir eben Jeden, der hier in der Psychatrie lebt oder arbeitet, verhören. Ist das in Ihrem Sinne Miss Carter?“ Er suchte nach meinem Blick, ich starrte an die Wand. Wir schwiegen eine Weile, dann räusperte sich der Psychodoktor. „Miss Carter Sie wissen, dass Ihre Aussage eigentlich nicht von Belang ist. Wir wollten Ihnen nur die Chance geben Ihren Fehler einzugestehen.“ Der Psychodoktor nickte dem alten Hüter unmerklich zu. Ein Schuss ertönte und klang ohrenbetäubend laut in dem kleinen Raum. Ich fuhr herum und sah wie Jack mit erschrockenem Gesichtsausdruck leblos zu Boden sank. Der Alte hatte ihm in die Brust geschossen. Ich wollte etwas sagen, ich schrie und weinte innerlich, doch ich bekam kein Wort heraus. Ich machte meinen Mund lediglich mehrmals auf und zu. „Das passiert wenn hier jemand gegen die Regeln verstößt Miss Carter.“ Ich schaute ihn hasserfüllt aus einem Tränenschleier an. “ Wir können eine solche Gefahr für unsere Patienten nicht akzeptieren. Sie sollen hier gesund werden und nicht in den alten Erinnerungen herumstochern. Sie alle sind hier, um irgendwann ein Leben außerhalb dieser Mauern zu führen. Einen Störfaktor, wie Jack können wir uns da nicht leisten. Leute, die auf extreme Weise gegen unsere Regeln verstoßen, müssen unschädlich gemacht werden. So ist das nun mal in Prion. Fehltritte können wir uns nicht leisten, Fehltritte führen zur Auflehnung und zum Krieg. Ich glaube Krieg ist das letzte was wir wollen, nachdem wir den letzten überlebt haben oder sehen Sie das anders Miss Carter?“ Ich starrte ihn verständnislos an. „Er hat mir einen Brief meines Vaters gegeben, nichts weiter“ „Jack hat Hochverrat begangen.“ „Sie hätten Ihn auch einfach suspendieren können.“Seine Augen formten sich zu Schlitzen. „Ich glaube nicht, dass ich mit Ihnen über die Rechtsordnung Prions diskutieren muss. Vielmehr würde mich interessieren, was es mit dem Brief Ihres Vaters auf sich hat. Ihr Chip hat uns keine Daten dazu geliefert, keine Erinnerung, keinen Gedanken.“ Das wunderte mich tatsächlich, denn ich hatte mir in den letzten Stunden das Hirn über seine Nachricht zermartert. „Ich habe nicht verstanden, was er mir damit sagen wollte und wahrscheinlich hat er das während einer seiner Alkoholexzesse geschrieben“, antwortete ich ehrlich. „Hmm“, machte der Psychodoktor und strich sich mehrmals über seinen Bart. „Vermutlich haben Sie Recht. Nun, wie Sie sicher mitbekommen haben, haben Sie eine neue Zimmergenossin. Sheyla ist ihr Name. Sie war Anhängerin der Greystone Bewegung, kannten Sie sie? „Nein“, sagte ich reflexartig. Ich zuckte zusammen und schalt mich innerlich. Ich hatte schon wieder gelogen. Ich wartete auf das Piepen der Lügendetektoren, aber nichts geschah. „Das dachte ich mir schon“, sagte der Psychodoktor überraschenderweise. „Wir warten schon eine ganze Weile, um mit der Therapie anzufangen, aber sie stand unter so starkem Drogeneinfluss, als wir sie fanden, sodass sie beinahe gestorben wäre.“ Ich versuchte möglichst unbeteiligt zu wirken. „Kurios ist auch, dass ihr Chip uns keine Erinnerungen oder Träume liefert. Es ist, als wäre ihr Hirn tot.“ „Warum erzählen Sie mir das?“, fragte ich verdutzt. „Nun, weil es bei Ihnen genauso ist Miss Carter und ich bin mir sicher, dass es Ihrerseits eine Antwort darauf gibt“, er betrachtete mich erwartungsvoll.“Wir dachten zuerst, dass es an den Drogen liegt, aber der automatische Drogentest bei Ihnen ergab, dass sie keine Drogen genommen hatten und den Chip können Sie sich auch nicht herausgeschnitten haben, sonst säßen Sie jetzt nicht mehr hier. Die Tentakeln hätten Ihr Hirn zerstört“, wie zur Bestätigung nahm er meinen Arm und drehte ihn um. Unter meiner Haut leuchtete ein blassblauer Punkt, der signalisierte, dass mein Chip noch funktionierte. Er ließ meinen Arm los und plötzlich bemerkte ich ein Flackern des Lichts. Natürlich! Es waren die Drogen. Leslie hatte mir am Tag zuvor die Tablette zugesteckt. Ich wusste nicht was es war, aber sie musste in der Medikamentenliste stehen, ansonsten wäre der automatische Drogentest positiv gewesen. Ja, so musste es sein! Ich grinste innerlich vor mich hin. Es gab eine Möglichkeit, um der Kontrolle durch den Chip zu entgehen, zumindest für eine Weile. Leslie und Sheyla mussten davon gewusst haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s