Feminismus – Wer braucht das heute noch?! Blogparade bis zum 15.04.19

feministEs ist 2019 Frauen können frei entscheiden, welchen Beruf sie nachgehen, wen sie wählen. Sie können ihr Leben selbst in die Hand nehmen, ohne es von Ehemann, Kind oder Haushalt abhängig machen zu müssen.

Der 8. März, Internationaler Frauentag, ist nun schon ein bisschen her. Ich war in Leipzig zum ersten Mal auf der Frauentagsdemo. Es war eine bunte und vielfältige Veranstaltung und es war ermutigend zu sehen, wie viele Menschen sich für die unterschiedlichsten Themen einsetzen. Seien es gleiche Löhne, gegen Sexismus, gegen      § 219 a, für Sexuelle Selbstbestimmung, Gleichbehandlung in der Kinderbetreuung und Haushaltsführung. Wir standen Seite an Seite für eine bessere, gerechtere Zukunft, trotz aller Errungenschaften, die wir den letzten Generationen zu verdanken haben. Für eine Zukunft, in der es um Menschen geht, nicht um Geschlechter. Wir stehen ein für eine Welt, in der Frauen nicht mehr objektifiziert werden, in der wir uns alle mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen können.

Man könnte natürlich argumentieren, dass das Frauenbild der 50er Jahre doch weitgehend überholt sei und es Frauen sowieso viel besser ginge als vergangenen Generationen. Aber ist damit die Feminismusdebatte vom Tisch? Ich wurde gefragt, warum ich auf die Frauentagsdemo ging, hier meine Antwort:

Mir fällt auf, dass ich als junge Frau mit eigener Meinung immer wieder anecke. Dabei geht es nicht etwa um politische Diskussionen oder konstruktive Kritik an meinen Aussagen und Ansichten. Nein, mit „anecken“ meine ich das Reduziertwerden auf mein Geschlecht. Ja, ich bin eine Frau und es gibt offenbar Menschen da draußen, die trotz der Gleichberechtigung von Mann und Frau nach dem Grundgesetz, der Auffassung sind, die Meinung einer Frau habe nicht den gleichen Wert. Unzählige Male las ich unter politischen Beiträgen oder Kommentaren von Frauen, dass sie doch gerade ihre Tage hätten oder nur mal wieder richtig durchgenommen werden müssten. Natürlich könnte man das einfach ignorieren und die meisten tun das auch. Warum sollte man mit Menschen diskutieren, die ihre Anonymität missbrauchen, um das Netz mit sexistischen Kommentaren vollzumüllen. Aber fängt es nicht genau hier an? Jener Sexismus, den fast jede Frau auf die ein oder andere Art in ihrem Leben bereits erfahren musste? Wird er nicht geschürt in heimischen Wohnzimmern, hinter Rechnern und dann rausgetragen auf die Straße, auf die Wege, auf denen ich gehe, auf denen wir Frauen gehen, und uns unwohl fühlen, weil wir verdammt noch mal Bock darauf hatten den kurzen Rock und die Overknees zu tragen, weil wir uns für das luftige Sommerkleid oder die Hotpants entschieden haben. In erster Linie ist es nur ein Kleidungsstück, wir fühlen uns wohl darin. Aber einige Herren kapieren wohl nicht, dass es eben nur genau das ist: Ein Kleidungsstück und nicht automatisch eine Einladung zum Gaffen und Anfassen. Ich bin angeekelt, wenn mich ein Mann im Vorbeigehen auffällig mustert und sich dabei lasziv über die Lippen leckt. Ich fühle mich abgewertet, wenn sich zwei Kerle in der Straßenbahn lautstark darüber unterhalten, ob ich „heiß“ sei. Ich fühle mich wehrlos, wenn ich auf einem Konzert mit Bier überschüttet und anschließend mit „du bist geil“ angemacht werde. Was gibt euch verdammt noch mal das Recht dazu meinen Körper zu bewerten oder übergriffig zu werden?

Ich denke jede Frau hat solche Situationen in der ein oder anderen Form schon einmal erlebt. Einen ausführlichen Beitrag über meine Erfahrungen zum Thema Sexismus findet ihr hier.

Mit diesem Artikel möchte ich dazu aufrufen eure Erfahrungen und Ansichten, egal ob Bloger_in oder Leser_in zum Thema Feminismus zu teilen. Mit Scarlet von thelittledemonmesblog redete ich neulich über Sexismus und die Schuldigkeit der Frau in unserer Gesellschaft. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es noch viel mehr Menschen da draußen geben muss, die das Thema umtreibt. Deswegen möchte ich diesen Beitrag nutzen, um zu einer Blogparade der etwas anderen Art aufzurufen. Da das Thema Feminismus sehr vielschichtig ist, für Jede und Jeden eine eigene Bedeutung hat, werde ich hier gar keine Vorgaben machen oder Fragen stellen, wie es bei Blogparaden üblich ist. Die Demo hat mir gezeigt, was im Alltag oft vergessen wird, dass wir uns solidarisieren müssen mit Frauen die diskriminiert, schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, sich um einen Pflegefall kümmern usw.

Also ja: Feminismus ist nach wie vor ein Thema von Relevanz!

Wenn dich das ebenso beschäftigt, dann schreibe doch einen Artikel (falls du keinen Blog hast auch gerne einen Kommentar) darüber, was Feminismus für dich bedeutet oder welche Erfahrungen du mit den angesprochenen Themen gemacht hast.

Hinterlasse anschließend unter diesem Artikel einen Kommentar mit dem Link zum Beitrag, damit ich alle eingegangenen Beiträge nach dem 15.04.19 auswerten kann.

Ich freue mich über eine rege Teilnahme!

Beste Grüße,

Rebecca

Bild: „feminist“, b0red, https://pixabay.com/de/vectors/feministin-feminismus-frauenrechte-2923720/

 

 

Werbeanzeigen

27 Gedanken zu “Feminismus – Wer braucht das heute noch?! Blogparade bis zum 15.04.19

  1. Pingback: Situationen aus dem Alltag als Frau | buchstabenjongleurin

  2. Pingback: Feminismus – Wer braucht das heute noch?! - Blogparade.net

  3. Du eckst mit deiner Meinung nicht an, weil du eine Frau bist bzw. auf dein Geschlecht reduziert wirst.
    Du eckst mit deiner Meinung an, weil du dummes Zeug von dir gibst.

    Gefällt mir

  4. Pingback: Miau! Eine #Blogparade zum #Feminismus //2082 | breakpoint

  5. Pingback: Feminismus auch heute noch wichtig - Becherwürfel

  6. Pingback: Die seltsame Flugbahn des Feminismus | man tau

  7. Der Anfang Deines Beitrags lies mich glauben, Du wärst an sachlichen Gedanken interessiert- leider wurde ich enttäuscht.

    Du schreibst „… auf die Wege, auf denen ich gehe, auf denen wir Frauen gehen, und uns unwohl fühlen, weil wir verdammt noch mal Bock darauf hatten den kurzen Rock und die Overknees zu tragen, weil wir uns für das luftige Sommerkleid oder die Hotpants entschieden haben. In erster Linie ist es nur ein Kleidungsstück, wir fühlen uns wohl darin. Aber einige Herren kapieren wohl nicht, dass es eben nur genau das ist: Ein Kleidungsstück und nicht automatisch eine Einladung zum Gaffen und Anfassen. Ich bin angeekelt, wenn mich ein Mann im Vorbeigehen auffällig mustert und sich dabei lasziv über die Lippen leckt. Ich fühle mich abgewertet, wenn sich zwei Kerle in der Straßenbahn lautstark darüber unterhalten, ob ich „heiß“ sei.“

    Was ist das für ein seltsames Weltbild, dass Du da an den Tag legst? Die Freiheit die unsere Gesellschaft uns allen bietet beschränkt sich nicht darauf, dass Frauen draußen rum laufen kann, wie sie wollen – jeder kann im öffentlichen Raum auch hinsehen wo er/sie will und sich ausdrücken, so lange man nicht beleidigend oder zudringlich wird. Alle Menschen sind frei und Demokratie ist für alle da, nicht nur Frauen!

    Noch erschreckender finde ich, dass Du gar nicht weißt, was Du tust, wenn Du Dich sexy kleidest: enge oder offenherzige Kleidung die viel Haut sichtbar lässt und primäre wie sekundäre Geschlechtsmerkmale betont, sendet gezielt Signale an Männer aus – das ist eine Form von Kommunikation. Aus diesem Grunde wurde sie ‚erfunden‘ und getragen, um Männer zu reizen. Da wirken zum Teil sehr archaische Mechanismen die den meistern Frauen sehr bewusst und willkommen sind um genau das zu tun, und sie erreichen ihre Ziele damit.

    Hotpants tragen und nicht von Männern angeglotz werden wollen ist wie jemanden anschreien: „HÖR NICHT HIN, WENN ICH DICH ANSCHREIE!!!

    Kleidung ist auch Kommunikation und Du kannst diese Sprache nicht beliebig um-definieren. Du kannst ja auch nicht für Dich definieren, dass Dein ausgestreckter Mittelfinger ‚finde Dich nett‘ bedeutet oder ’nicht hinsehen‘ und dann ungestraft Polizisten eben diesen zeigen. Du lebst in einer Gesellschaft, nicht in der Wüste, wo Du Dir denken kannst, wie Deine Welt sein soll; die Welt in der Du lebst gibt es schon, und da leben Männer drin die auf Signale von Frauen warten. Wenn Du diese sendest musst Du mit den Konsequenzen leben, alles andere ginge in Richtung Diktatur.

    Genau diese ‚Sprache‘ oder Signale nutzen auch Prostituierte um Männer anzusprechen: Hotpants, Overknees, kurze Röcke. Woher kommt die Idee, Männer anzuschreien „He, schaut her, bin ich nicht ein geiles Teil auf das ihr scharf seid?“ aber ihnen das Hinsehen verbieten zu wollen? Du musst nicht so rumlaufen, Du tust es freiwillig – aber im öffentlichen Raum. Und der gehört allen, nicht nur Dir allein. Das trifft übrigens auf die ganze Sexismus-Diskussion zu.

    Gefällt mir

    • Selbstverständlich bin ich an anderen Auffassungen interessiert, um dann miteinander auf einer sachlich, konstruktiven Ebene zu diskutieren. Aus diesem Grund habe ich auch zu der Blogparade aufgerufen.

      Nun zu deinem Kommentar:

      „Die Freiheit die unsere Gesellschaft uns allen bietet beschränkt sich nicht darauf, dass Frauen draußen rum laufen kann, wie sie wollen – jeder kann im öffentlichen Raum auch hinsehen wo er/sie will und sich ausdrücken, so lange man nicht beleidigend oder zudringlich wird. Alle Menschen sind frei und Demokratie ist für alle da, nicht nur Frauen!“

      Zunächst einmal war es nie meine Absicht eine Frau besserzustellen als einen Mann. Aber in diesem Beitrag geht es um das Thema Feminismus, klar betrifft das auch Männer, aber ich berichte eben aus meiner Perspektive als Frau, zum Beispiel im Hinblick auf Sexismus.
      Und zum Thema Freiheit: Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Natürlich ist es in Ordnung, wenn ich als Frau angeschaut werde, aber es ist nicht in Ordnung, wenn jemand dabei anzügliche Bemerkungen macht. Letztens wurde ich auf einem Konzert mit Bier überschüttet und dann sagte mir die Person, dass ich „geil“ sei. Solch ein Verhalten hat nichts mit Freiheit und Demokratie zu tun, sondern ist übergriffig und steht in keiner Relation zu meinem Auftreten. Wenn eine Frau in der Stadt unterwegs ist und ein Mann kommt auf sie zu, der ihr ein nettes, respektvolles Kompliment macht, ist das völlig in Ordnung. Falls es jedoch anzüglich und objektifizierend ist, fühlt man sich als Frau in seiner Würde verletzt.
      Wie du schon erwähnt hast, leben wir in einer Demokratie, aber damit diese funktioniert bedarf es bestimmter Verhaltensregeln, an die sich ein(e) jede(r) halten sollte und zwar unabhängig davon, was man trägt.

      Du schreibst sinngemäß meine Ansichten seien diktatorisch oder würden zu einer Diktatur führen.
      Tja, ich finde eine Gesellschaft diktatorisch, die einer Frau indirekt vorschreibt, wie sie sich zu kleiden hat, um nicht den Stempel „selbst Schuld“ aufgedrückt zu bekommen, falls sie sexuell belästigt wird. Wir sind alle in erster Linie eines: Menschen! Und wir verdienen von unseren Mitmenschen gleich behandelt zu werden, unabhängig von Kleidung, Aussehen, Religion, Herkunft oder sexueller Orientierung.

      Aber zurück zum Thema, du schreibst weiterhin: „Kleidung ist auch Kommunikation…“

      Ja und Nein, natürlich wollen Frauen manchmal Signale an Männer senden, die sie durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen, aber oftmals eben auch nicht. Und nur weil ein Mann denkt, dass die Frau ihn reizen will, heißt es doch nicht, dass er mit ihr weniger respektvoll umgehen kann.
      Den Vergleich zwischen Gesten (Mittelfinger) und Kleidung finde ich etwas weit hergeholt. Der Mittelfinger ist eindeutig, Kleidung nicht zwangsläufig.
      Ein Beispiel – Ich sehe zwei Menschen auf der Straße, der eine trägt Anzug und der andere Jogginghose. Dann heißt es doch nicht automatisch, dass er Anzugtragende besser verdient oder in einem guten Job arbeitet. Vielleicht hat er sich auch einmalig rausgeputzt für eine Veranstaltung. Und nur weil man eine Jogginghose trägt, heißt es nicht, dass man sich gerade vom Sofa runtergerollt hat, um sich mal eben eine Pizza zu holen. Was weiß ich, was die Intention dieser Menschen war so auf die Straße zu gehen?! Vermutlich weil sie Lust darauf hatten. Und das lässt sich auch 1 zu 1 auf die Kleidung von Frauen übertragen. Somit ist es ganz und gar demokratisch sich in der Öffentlichkeit mit der Kleidung zu zeigen, in der man sich wohlfühlt, sofern dies nicht in irgendeiner Form strafwürdiges Verhalten darstellt. Es ist verständlich, dass die Resonanz auf auffällige Kleidung nicht ausbleiben wird, aber diese Resonanz sollte nicht herablassend oder übergriffig sein.

      Du schreibst weiter:
      „Genau diese ‚Sprache‘ oder Signale nutzen auch Prostituierte um Männer anzusprechen: Hotpants, Overknees, kurze Röcke. Woher kommt die Idee, Männer anzuschreien „He, schaut her, bin ich nicht ein geiles Teil auf das ihr scharf seid?“ aber ihnen das Hinsehen verbieten zu wollen? Du musst nicht so rumlaufen, Du tust es freiwillig – aber im öffentlichen Raum. Und der gehört allen, nicht nur Dir allein. Das trifft übrigens auf die ganze Sexismus-Diskussion zu.“

      Diese Ansicht finde ich äußerst fragwürdig. Soll ich mich jetzt als Frau anders kleiden, damit ich nicht sexuell belästigt werde? Du argumentierst mit der Freiheit der Männer. Aber ich sehe nur, dass du mit deinen Argumenten versuchst die Freiheit der Frauen zu beschneiden.
      Führe man deine Argumentation weiter, käme man zu dem Schluss, den erschreckenswerterweise viele Menschen vertreten: Dass eine Frau, je nachdem was sie getragen hat, selbst Schuld ist Opfer von sexueller Nötigung oder Gewalt geworden zu sein. Dies ist nicht nur juristisch inkorrekt, sondern auch moralisch höchst verwerflich.

      Was auch immer du in die Kleidung von Frauen hineininterpretieren willst, es hat nichts mit Prostitution oder Sich-Anbieten-Wollen zu tun. Vor allem im Sommer ist es sozial üblich, dass Frauen bauchfrei, Hotpants, kurze Kleider etc. tragen. Warum? Weil es warm ist und weil sie es schön finden!
      Nach deiner Argumentation würde ja auch ein 15jähriges Mädchen, das im Sommer in Hotpants aus dem Haus geht indirekt das Signal aussenden „He schaut her, bin ich nicht ein geiles Teil auf das ihr scharf seid“ (deine Aussage, ich verweise nach oben). Ich hoffe du merkst, dass deine Argumentation an dem aufgeführten Beispiel scheitert.

      Bereits die Tatsache, dass ich mich im 21. Jahrhundert im Namen der Frauen für das Tragen bestimmter Kleidung rechtfertigen muss, zeigt doch mal wieder, wie wichtig Feminismus heutzutage ist.

      Gefällt mir

      • Hallo Buchstabenjongleurin,

        zunächst mal danke ich Dir, dass Du Dir die Mühe gemacht hast mir so freundlich und inhaltlich zu antworten, das ist nicht selbstverständlich. Und ich möchte mich für meinen gereizten Ton entschuldigen; wenn man jemanden noch nicht kennt, sollte man freundlicher anfangen.

        Auf Deine lange und ausführliche Antwort muss ich in mehreren Teilen antworten. Zunächst mal meine ganz allgemeine Position:

        Natürlich ist das vollkommen OK, wenn Du Deine Sichtweise vorstellst – in einer Gesellschaft, in der jeder seine Sichtweise vorstellen und erklären kann, ergibt das ein umfangreiches Gesamtbild – gut, um sich eine Meinung zu bilden. Wir haben aber eine Situation, in der Frauen tendenziell recht haben, wenn sie ihre Sichtweise darstellen, während Männer die ihre Meinung wiedergeben schnell entweder ‚toxisch‘ oder ‚mimimi‘ sind – also so oder so die falsche Meinung haben. In Medien wie der ‚Zeit‘ oder der ‚Süddeutschen‘ kommen die Meinungen von nicht-feministischen Männern fast nur noch in den Kommentaren vor!

        Ich versuche zunächst mal, die ganze Problematik auf einen wichtigen Punkt zu reduzieren: Das wesentliche Problem in einer Gesellschaft besteht darin, dass Menschen sehr verschieden sind und ein breites Spektrum an Wünschen, Bedürfnissen, Lebensentwürfen, Eigenschaften etc. haben. Oft gibt es dabei eine große Zahl ähnlicher Interessen und wenige extreme, manchmal dominieren aber die Extreme. Wenn diese Extreme sich auf Menschen z.B. eines bestimmten Geschlechts konzentrieren, kommt es zu einer großen Asymmetrie der Bedürfnisse; dann wünschen sich Frauen z.B. andere Regeln als Männer; dann wird es schwierig.

        Natürlich ist das eine Vereinfachung, es sind nicht alle Männer gleich; alle Frauen untereinander auch nicht und es gibt auch weitere Geschlechter. Aber ohne Vereinfachungen ist es manchmal nicht zu schaffen ohne gleich Bücher zu schreiben; darum vereinfache ich.

        Zurück zur Gesellschaft: zwischen den Extrempositionen, auf die jeder ein Recht zu haben glaubt, muss ein Kompromiss-Punkt gefunden werden, bei dem die meisten sagen können: „OK, das geht noch, damit kann ich noch leben.“ Jedenfalls in einer Demokratie. Findet man den Punkt nicht, geht es zu wie beim Brexit: die Gesellschaft funktioniert nicht mehr und bricht auseinander.

        Hat man den Kompromiss-Punkt gefunden bedeutet das, dass es große Gruppen gibt, die nicht genau das kriegen, was sie sich wünschen. Weil aber die anderen auch nicht kriegen, was sie sich wünschen, entsteht so was wie Gerechtigkeit. Zwischen Männern und Frauen sollte das möglich sein, denn alles andere würde Krieg bedeuten. Damit verbunden sind Zugeständnisse auf beiden Seiten. Was aber auch dazu gehört ist, die Gegenseite zu verstehen; Verständnis erleichtert das „OK, damit kann ich so eben noch leben.“

        Das Grundgesetz ist so angelegt, dass es viele grundlegende Rechte zu garantieren scheint; tatsächlich ist es aber so, dass viele dieser anscheinend so einfachen und klaren Rechte in die Rechte anderer eingreifen. Darum sind die Konsequenzen nicht so simpel, wie man sie sich wünschen würde. Beispiel Meinungsfreiheit (genauer: das Recht auf freie Meinungsäußerung): Das ist ein Grundrecht! Darf ich also sagen „Du bist ein Arschloch!“ Nein, darf ich nicht, denn das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Menschenwürde steht dem entgegen.

        Darf ich Dir im vorübergehen zurufen: „Es ist siebzehn Uhr dreißig“? Wenn ich Dich nicht am Weitergehen hindere, ja (erlaubt verm. Artikel 2). Wenn ich es zum hundertsten Mal bei Dir tue, verm. nein wg. Stalking. Wie ist es mit: „Darf ich Dich auf ein Bier einladen?“ Solange ich ein ‚Nein‘ ohne Probleme akzeptiere, darf ich das. Du sagst ‚Nein‘, ich sage ‚Schade‘ und gut ist. Du muss die Frage hinnehmen, ich die ablehnende Antwort.

        Darf ich sagen „Boa, siehst Du geil aus. Wollen wir ficken?“ Auch das sagen zu dürfen beruht auf einem Grundrecht. Würde es Deine Würde verletzen? Nein, überhaupt nicht; Du willst es vielleicht nicht von mir hören, oder nicht von 999 von 1000 Männern, aber vielleicht von dem Einen doch? Und woher sollte ich das wissen? Du darfst antworten: „Verpiss Dich!“ (natürlich ginge es auch freundlicher.) Will ich auch nicht hören, verletzt meine Grundrechte aber nicht und ist OK.

        Manches muss man halt aushalten in einer Gesellschaft, z.B. wenn jemand nach Knoblauch riecht, grünes Haar trägt, eine schmutzige Jeans an hat, einen dummen Witz erzählt, wenn jemand findet, dass Frauen an den Herd gehören oder findet dass sie genau da nicht hingehören, wenn Frauen draußen ihre Kinder stillen, Männer mit Männern knutschen, wenn Pärchen sich begrapschen, wenn mich jemand nicht mag usw. usw.

        Wir nähern uns einem kritischen Punkt; irgendwo würde man sagen: Das geht jetzt nicht mehr – um den Punkt geht es. Wer legt den Punkt fest? ‚Die Frauen‘? Oder nur bestimmte Frauen? Oder ‚Die Männer‘? Sicher möchte jeder den Punkt woanders hinlegen.

        Die Asymmetrie von der ich oben sprach, existiert zwischen Männern und Frauen tatsächlich: evolutorisch gesehen war es wohl immer so, dass die Männchen sich produzierten, hinter den attraktivsten Weibchen her waren und sich Fortpflanzen wollten. Die Weibchen gaben den Männchen Signale wenn sie paarungsbereit waren, was diese anlockte, und dann suchte sich das Weibchen das Männchen ihrer Wahl unter den Kandidaten aus.

        Unsere Kultur hat da eine Schicht drüber gelegt – aber unten drunter geht es noch genau so. Was meinst Du, warum Männer so sind? Weil es in ihnen steckt und heraus drängt. Hätten die Männer in der Vergangenheit diesen (An-)Trieb nicht gehabt, gäbe es keine Menschen; auch keine Frauen.

        Diese Asymmetrie dürfte die Ursache für die bestehende Asymmetrie im Verhalten der Geschlechter sein. Aber wie auch immer – die Asymmetrie besteht und sie muss in den Regeln, nach denen die Gesellschaft funktioniert, berücksichtigt sein. Sonst ist eine Gesellschaft grob ungerecht und kann auf Dauer nicht funktionieren.

        Ich melde mich wieder für eine Fortsetzung.

        Gefällt mir

  8. Teil 2:
    Hallo Buchstabenjongleurin,

    Feminismus und Geschlechter-Probleme haben viele Seiten, aber ich möchte mal am Punkt sexy Klamotten bleiben, weil der ein wesentliches Problem so genau trifft.

    Ich möchte Dich bitten, ein kurzes Gedankenexperiment zu machen: Stell Dir bitte vor, Du bist, auf welche Weise auch immer, mit einem Boot alleine auf einer unbewohnten Südseeinsel gestrandet. Du weißt, dass Du sicher in 2 Wochen gerettet wirst, hast so lange alles was Du brauchst, aber bis zur Abholung wirst Du alleine auf der kleinen Insel warten müssen. In dem Boot befinden sich zufälligerweise die Requisiten einer Filmcrew; darunter weite Hängekleider aus Leinen und Baumwolle, bequeme Schlappen und lockere Baumwollunterwäsche. Aber, für einen anderen Film, auch sehr sexy Klamotten inkl. verschiedener enger Hotpants in weiß, rot und Jeansstoff, kurzer Röckchen mit Falten oder gerade, enge Shirts, durch die man Deine Nippel sehen kann, offenherzige Satinblusen, Spitzen-BHs, Highheels und Overknees sowie sexy Stringtangas etc. Du darfst Dich bedienen.

    Täglich machst Du Dich auf den Weg, die Insel zu erkunden.

    Was würdest Du anziehen?

    Bitte sag jetzt nicht, dass man auf Sand nicht mit Heels laufen kann. Stell Dir vor, die Insel war bis letztes Jahr bewohnt und es gibt schöne, asphaltierte Wege durch verlassene Parks. Was würdest Du auf Deinen Spaziergängen anziehen? Auf der Insel ist es warm; enge Hotpants und Overknees schaffen hier wie dort ein Klima für Pilzinfektionen. Aber Du hast die freie Wahl: Was würdest Du aus dem Fundus auswählen?

    Natürlich kenne ich die Antwort nicht; aber ich vermute, es werden nicht die Overknees, Hotpants und Bleistiftröckchen sein, sondern etwas weites, lockeres. Wenn das stimmt, dann ist die Frage: warum würdest Du sexy Sachen tragen wo Menschen sind, aber nicht da, wo Du alleine bist?

    Du kannst das Experiment noch erweitern: stell Dir vor, Du wärst nicht ganz alleine gestrandet sondern es wären noch ein paar Frauen auf dem Boot – was würdest Du jetzt anziehen? Hinge es davon ab, was die anderen Frauen tragen? Würdest Du Dich anpassen oder stündest Du in Konkurrenz? Und jetzt stell Dir vor, es wären außer Dir nur ein paar Männer mit an Bord – was würdest Du dann anziehen? Das gleiche wie am Anfang? Oder hinge es davon ab, was für Männer das sind? Nur junge, die genau Dein Typ sind oder nur alte Knacker z.B? Würden die anderen Personen unterschwellig beeinflussen, wie Du Dich zeigen möchtest?

    Es geht mir darum deutlich zu machen, dass niemand sich – in dieser Hinsicht – als unabhängig vom Rest der Gesellschaft erklären kann. Oft denkt man: ‚Das tue ich nur für mich, da hat kein anderer etwas mit zu tun‘ – aber in Wirklichkeit hat einen einerseits die Gesellschaft sehr geprägt und ohne sie würde man sich ganz anders verhalten, und andererseits wirkt man auch selbst auf die Gesellschaft zurück, wo man es nicht erwartet. Man interagiert mit seiner Umgebung auch dann, wenn man es nicht merkt oder beabsichtigt.

    Dass es solche Klamotten gibt liegt an den Menschen und daran, wie sie funktionieren. Das hast auch Du unbewusst gelernt und die Sprache sprichst Du auch dann, wenn Du das nicht willst. Du kannst nicht sagen, dass Du gar keine Signale aussendest weil Du das ja nicht willst; Du tust es und sendest evtl. die falsche Nachricht. Das ist der Punkt um den es mir geht: Deine Signale kommen auch dann an, wenn Du glaubst, gar keine auszusenden oder das nicht willst. Aber anders als beim ausgestreckten Mittelfinger funktionieren die Signale der Sexualität sehr allgemein und auf einer ganz grundlegenden Basis. Das ist nichts, das man wollen oder nicht wollen kann, nichts das man per Gesetz regeln kann. Man kann natürlich per Gesetz regeln, was man tun darf, aber nicht was man fühlen darf und was mit einem passiert.

    Ist es Dir schon mal passiert, dass Du einen super Typ gesehen hast, Du ganz unruhig wurdest und immer wieder hingeschaut hast, Deine Augen seinen Körper entlang gewandert sind, die Beule in seiner Hose und seine Muskeln oder was auch immer geprüft haben, und Du so etwas gedacht hast wie: „Herr im Himmel, lass den jetzt zu mir rüber kommen und mich auf der Stelle vögeln!“? Dann hast Du eine Idee davon, was in Männern abgehen kann, wenn sie eine aufregende Frau sehen.

    Wenn Du das Gefühl nicht kennst, habe ich noch ein kleines Gedankenexperiment (sorry): Denke jetzt an Dein allerliebstes Lieblingsgericht. Stell Dir vor, Du hast seit drei Tagen nichts gegessen und dann steht vor Dir ein prächtig hergerichteter Teller mit Deinem Lieblingsessen: wohltemperiert, der Duft geht in Deine Nase, das Wasser läuft Dir im Mund zusammen, das Besteck liegt bereit, der Tisch ist gedeckt. Spürst Du, wie Dir das Wasser im Mund zusammen läuft, wie alles in Dir ruft: „Oh ja, genau, das will ich jetzt. Sofort.“ Aber neben dem Teller steht ein Schild. Darauf steht: VERBOTEN!

    Dass Dir das Wasser im Mund zusammenläuft ist Biologie, das VERBOTEN-Schild ist unsere Kultur. Kannst Du Dir vorstellen wie das ist und dass das nicht einfach ist, wenn beides aufeinander prallt?

    Mit solchen Klamotten greifst Du schon in das Recht der sexuellen Selbstbestimmung der Männer ein, Bilder können wie anfassen wirken. Mit den Männern passiert da etwas, das Du kontrollierst, nicht sie. Die überlegen sich nicht, ob sie das scharf machen darf und ob sie das wollen; das passiert ganz automatisch und ist messbar (noch mal zur Erinnerung: die Menschen sind nicht alle gleich, auch die Männer nicht. Nicht jeder reagiert so oder so heftig. Aber viele, wahrscheinlich die meisten)

    Witziger Weise wollen Feministen sexy Bilder von Frauen aus dem öffentlichen Raum verbannen lassen, wenn sie auf Plakaten abgebildet sind. Aber reale Frauen sollen, gerade nach dem Willen der Feministen, so herumlaufen dürfen. Fällt Dir der Widerspruch auf? Und es geht nicht um die Frage, ob Frauen unbedingt Männer anheizen wollen; auch wenn sie es nicht wollen, können sie es unbeabsichtigt tun.

    Ein Gesetz, dass es Frauen erlauben würde, so sexy herum zu laufen, gleichzeitig Männern nicht erlaubte sich wenigstens durch Pfeifen oder Sprüche bemerkbar zu machen, und auch noch sexy Bilder auf Plakaten verböte, wäre drei Mal Frauenrecht gegen Männer. Das wäre total undemokratisch.

    Gefällt mir

  9. Teil 3

    Hallo,

    jetzt komme ich konkret zu Deinen Antworten:

    Du sprichst ‚Sexismus‘ an, aber das ist ein großes Fass und das lasse ich jetzt mal zu. Vielleicht ergibt sich ja später noch eine Gelegenheit, sich darüber auszutauschen.

    Dann kommt der Punkt ‚Freiheit‘. Du schreibst: ‚Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.‘ – und willst anschließend die Freiheit der Männer, Dich anglotzen und eine Bemerkung machen zu dürfen, beschneiden. So einfach ist es mit der Freiheit also nicht. Warum sollte man Dir keine Anzüglichkeiten sagen dürfen? Es gibt Redefreiheit. Selbstverständlich übergriffig ist es dagegen, Dich absichtlich mit Bier zu überschütten, keine Frage. Dir zu sagen, dass er Dich geil findet ist aber sein gutes Recht. Wenn Du ihn doof findest, darfst Du ihm das ja auch sagen und er muss es schlucken – steht also unentschieden zwischen euch.

    Der Punkt mit der ‚Objektifizierung‘ ist schwierig – was heißt das? Objektifizierung muss sich wohl zunächst im Kopf eines Mannes abspielen, der Dich einfach nur benutzen will, ohne Dich weiter als Menschen zu respektieren. Der würde Dir dann vielleicht zurufen: „Komm her, ich brauche ein Loch“ – dann hätte er Dich wohl objektifiziert. Wie traurig wäre das für ihn, wie jämmerlich die Welt, in der er lebt. Vielleicht ist der Typ ja so dumm, dass es für ihn gar nichts anderes auf der Welt gibt; dann ist das alles, was er kann. Aber was hätte das mit Dir zu tun? Du würdigst ihn keines Blickes und gehst einfach weiter. Du musst ihn nicht mal bedauern. Ich habe bisher nur ein mal von so etwas gelesen: Da meinte eine junge Frau, sie brauche keinen Mann; nur ab und zu einen Penis. Ist das nicht erbärmlich?

    Aber ruft einer „Hey Süße, wie wär’s mit uns beiden?“ denkst Du vielleicht: ‚Der will ja nur Sex!‘ – na und? Das wäre doch OK, das darf er und das hat nichts mit Objektifizierung zu tun; einfach nur Sex kann ganz toll zwischen Menschen stattfinden, ohne Objektifizierung.

    Ich kann mir vorstellen, dass Du nicht zum reinen Sexualobjekt gemacht werden willst und sicher gibt es einige Männer, die eine Frau einfach nur benutzen wollen wie eine Sexpuppe; aber für die reicht sogar Hartz 4 – warum sich bei Frauen eine Abfuhr holen, wenn man nicht mehr will als eine Plastikpuppe? Ich glaube nicht, dass es viele Männer gibt, die wirklich nur ein Sexobjekt mit Loch haben wollen und keinen Menschen.

    Aber wie auch immer: es wäre ihr Recht. Ob Du das nicht willst, zählt nicht, so lange Du ablehnen kannst.

    Dann forderst Du Verhaltensregeln ein, setzt aber ganz einfach voraus, dass Du (‚Die Frauen‘) diese Regeln selber bestimmst. Ich bin auch für solche Regeln, aber die will ich natürlich auch selbst machen; und die sähen ganz anders aus als Deine … Würdest Du meine Regeln akzeptieren? Bei der Demokratie geht es darum, wer die Regeln macht und wie sie entstehen, nicht darum dass es sie gibt – der Mob auf der Straße kann auch Regeln schaffen. Darum geht es beim Thema Diktatur: nicht ob Du etwas darfst oder nicht, sondern wie die Regel gemacht wurde – natürlich immer im Rahmen der Verfassung. In einer Demokratie bedeutet das, Gegenpositionen darzustellen, zu diskutieren und einen Kompromiss zu finden – einen Punkt zwischen den Extremen; nicht den Punkt an dem eine Partei sagt ‚Ich will das aber genau so!‘

    Zu „Kleidung ist auch Kommunikation…“ schreibst Du: „Ja und Nein, natürlich wollen Frauen manchmal … aber oftmals eben auch nicht.“ Da liegt ein Missverständnis vor. Ob Du kommunizierst oder nicht hängt nicht von Deiner Absicht ab; das hatte ich mit dem Mittelfinger deutlich machen wollen (Autofirmen untersuchen z.B. ob Modellbezeichnungen die sie benutzen wollen, im Ausland evtl. falsch verstanden werden können denn das wäre schlimm). Deine Signale können falsch verstanden werden, aber wenn sie ihre Wirkung zeigen, spielt das keine Rolle. Dein Beispiel – Anzug gegen Jogginghose – beschreibt je genau das: ein mögliches Missverständnis. Und sozial üblich scheint es ja auch zu sein, Frauen anzuschauen und ihnen etwas hinterher zu rufen.

    Bei ‚Kommunikation‘ kann es jetzt zu Verwechslungen kommen: zum einen gibt es die bewusste ‚intellektuelle‘ Kommunikation, zum anderen auch die unterschwellige Kommunikation. Intellektuell kann man ein mögliches Missverständnis kommunikativ klären. Das tust Du, wenn er Deine Signale falsch versteht und Dich unerwünscht anmacht, Du ihm aber eine Abfuhr erteilst. Dann denkt er sich sein Teil und Du Dir Deines, und das war’s. Aber das willst Du ja nicht, er soll das einfach vorher wissen. Dafür müsstest Du ein Zeichen tragen an dem ein Mann Deine Absicht erkennen kann, oder es müsste allgemein die Regel gelten, dass Frauen nur sich selbst meinen und nie Männer. Dann dürften Männer niemals Frauen ansprechen (Catherin Deneuve u.a. haben im Rahmen der #Metoo-Aktion deutlich gesagt, dass sie angemacht werden wollen und wurden dafür von Feministinnen übel beleidigt). Oder es müsste ein Code verabredet werden … Jedenfalls hat das alles mit Kommunikation zu tun. Und es gäbe den Frauen alle Rechte, zu tun was sie wollen, würde die Rechte der Männer aber extrem beschneiden. Das wäre undemokratisch. In Frankreich wird das gerade versucht, da soll eine Strafe von 5.000 € für Hinterher-pfeifen und ähnliches eingeführt werden. Das wäre schwerste Diskriminierung von Männern.

    Aber es gibt auch noch den zweiten, nicht-intellektuellen Aspekt, den ich weiter oben angesprochen habe: bestimmte Dinge sprechen Menschen ganz automatisch, sehr grundlegend und unkontrollierbar an, z.B. sexuelle Reize. Da stellt sich nicht mehr die Frage, wer was sagen oder nicht sagen will, da passiert die Reaktion ganz ohne bewusstes Zutun.

    Was ich mit dem Beispiel der Kleidung von Prostituierten verdeutlichen wollte ist, dass Du mit den gleichen Klamotten auch etwas ihre ‚Sprache‘ sprichst; ob Du das willst oder nicht, spielt da keine Rolle und was Du damit sagen willst auch nicht. Da interpretiere ich überhaupt nichts rein, das wirkt einfach so, auch wenn eine Frau sich nicht anbieten will. Es geht nicht darum, dass Männer sexy Frauen mit Prostituierten verwechseln könnten sondern darum, das beide die gleichen Signale benutzen und damit bei Männern vergleichbare Wirkungen erzielen.

    Und natürlich senden auch 15 jährige Mädchen diese Signale aus und machen Männer damit wahnsinnig. Dürften sie in Unterwäsche zur Schule kommen? Oder ganz nackt? Nein. Warum nicht, wenn das nichts bewirkte?

    Würden sie die Reaktionen der Männer nicht erhalten, würden sie die Klamotten nicht anziehen; ich erinnere an mein Gedankenexperiment. Gerade das Spiel mit der Macht über Männer, die wollen aber nicht dürfen, macht doch den Spaß und den Reiz aus. Meine Argumentation scheitert nicht, egal ob die Mädchen wissen was sie tun oder nicht – es geht nicht um das Wollen, sondern nur um die Wirkung. Wer an einer Tankstelle raucht, will ja auch nicht die Zapfanlage in die Luft sprengen und wer mit 170 durch die Stadt rast, will auch niemanden umbringen; kann aber passieren. Das ist dann die unbeabsichtigte Wirkung.

    Ohne Männer kämst Du nie im Leben auf die Idee, solche Sachen anzuziehen; Du möchtest einen Teil der Wirkung, aber Du willst bestimmen, welchen Teil. Und wann. Und bei wem. Ich habe weiter oben versucht, das zu erklären: sexy Klamotten gibt es nur aus einem einzigen Grund: weil Männer darauf so reagieren. Ohne Männer gäbe es die Klamotten nicht und niemand wollte sie tragen.

    Das ist zunächst mal das Ende vom 3. Teil. Der Schluss kommt, wenn ich wieder Worte habe – sind im Moment alle aufgebraucht 😉

    Gefällt mir

  10. Hallo Reinhard,

    zunächst möchte ich nochmals feststellen, dass ich als Feministin nicht beabsichtige besser gestellt zu werden als ein Mann. Viel mehr soll es um eine Gleichberechtigung gehen. Gleichberechtigung ist nur möglich, wenn Frauen sexistischen Bemerkungen entgegentreten. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung möchten wir Frauen nicht länger objektifiziert werden. Wir gehören nicht an den Herd (es sei denn wir tun das freiwillig), sondern können auch in Wissenschaft, Forschung, Politik etc. tätig werden. Doch genau in diesen Bereichen haben Frauen es oft schwer von ihren männlichen Kollegen ernst genommen zu werden. Es gibt zahlreiche Berichte in denen Frauen erzählen, dass sie sich am Arbeitsplatz Kommentare über ihre Brüste anhören mussten. Sexismus zieht sich durch alle Bereiche. Bei der Party ein Klaps auf den Po, auf der Straße ein dummer Kommentar und auf Arbeit ein deplatzierter Anmachspruch. Versetze dich mal in die Lage. Selbst wenn es dir am Anfang willkommen wäre und du es noch als Kompliment siehst, mit der Zeit und der Häufung wird es einfach zu viel. Du fühlst dich auf dein Äußeres reduziert und das unabhängig davon wo du dich gerade aufhältst oder was du gerade trägst. Was zahlreiche Frauen fordern ist nichts Verwerfliches, keine Extremposition und greift erst Recht nicht in deine Rechte als Mann ein, wir wollen Respekt! Hinterherpfeifen oder ein Anmachspruch hat nichts mit Respekt zu tun, sondern erschafft ein Machtgefälle. Ein Mann versucht durch hinterherpfeifen oder einen Spruch in aller Regel nicht die Frau für sich zu gewinnen oder zu beeindrucken, sondern diese aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbilds zu bewerten, oft im Beisein anderer Männer, um sich zu brüsten.

    Aber nun Schritt für Schritt zu deinem Kommentar:

    „Wir haben aber eine Situation, in der Frauen tendenziell recht haben, wenn sie ihre Sichtweise darstellen, während Männer die ihre Meinung wiedergeben schnell entweder ‚toxisch‘ oder ‚mimimi‘ sind – also so oder so die falsche Meinung haben.“

    Aha, ist mir neu, also kann ich jetzt als Frau pauschal sagen die Erde ist eine Scheibe und bekomme Recht? Ich glaube es liegt weniger am Geschlecht, wenn Frau Zustimmung erntet, sondern daran, dass sie zu einigen Themen die überzeugenderen Argumente vorzuweisen hat.

    „In Medien wie der ‚Zeit‘ oder der ‚Süddeutschen‘ kommen die Meinungen von nicht-feministischen Männern fast nur noch in den Kommentaren vor!“

    Und was soll daran so schlimm sein? Vermutlich sind die Autoren selbst überzeugte Feministen. Wem das nicht passt, muss diese Beiträge nicht lesen.

    „Das wesentliche Problem in einer Gesellschaft besteht darin, dass Menschen sehr verschieden sind und ein breites Spektrum an Wünschen, Bedürfnissen, Lebensentwürfen, Eigenschaften etc. haben.“

    Ja! Und aus diesem Grund gibt es Gesetze, also Vorschriften an die sich jede(r) halten sollte, wie im Straßenverkehr, ansonsten würde Chaos ausbrechen.
    Weiterhin wünschen sich Frauen keine anderen Regeln als Männer, wir wünschen uns nur, dass man uns respektvoll, ohne sexuelle Konnotation begegnet. Lustigerweise hatte ich gestern erst ein Gespräch mit meinem Freund und zwei jungen Männern aus meinem Freundeskreis über das Thema. Für sie steht es gar nicht in Frage, dass man einer Frau nicht mit Anmachsprüchen begegnet. Insofern wünschen sich Männer nicht per se andere Regeln als Frauen bzw. sehen sich durch die Forderungen der Feminist_innen nicht in ihren Rechten eingeschränkt.

    Du sagst weiterhin, es muss ein Kompromisspunkt zwischen den Extrempositionen gefunden werden. Was ist daran extrem zu sagen, ich möchte als Frau nicht belästigt werden? Täglich passiert es Frauen, dass sie auf der Straße dumm angemacht werden, dass die Männer sie gegen ihren Willen berühren usw. Schau doch mal auf http://www.cheerupluv.com vorbei. Die mittlerweile sehr bekannte Fotografin Eliza Hatch fotografiert Frauen, die in der Öffentlichkeit sexuell belästigt wurden und erzählt ihre Geschichte.
    Sie hat die unterschiedlichsten Frauen porträtiert und genauso haben auch die unterschiedlichsten Frauen weltweit auf die #Metoo Bewegung reagiert. Demzufolge handelt es sich hier um keine Randmeinung, die zu polarisieren versucht. Die Resonanz auf diese Debatte zeigt doch, dass sich hier die unterschiedlichsten Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, mit unterschiedlichem kulturellen Hintergründen aus allen Teilen der Welt meldeten und immer noch melden und sagen „Ja, mir ist das auch schon passiert“. Allein die Häufigkeit spricht doch schon dafür, dass es sich um keine Extremposition handeln kann. Und viele Männer schließen sich dieser Bewegung an, indem sie entweder sagen, „ja ich habe das auch schon erlebt“ (Sexismus gegenüber Männern sollte natürlich genauso Beachtung finden) oder sagen „ja, ich habe das schon gegenüber Frauen erlebt, das sollte sich ändern“ oder sagen „krass, das wusste ich gar nicht, aber ich finde das sollte sich ändern“. Was ich damit sagen will: Es bringt nichts in schwarz und weiß zu denken. Frauen und Männer sind in dieser Debatte nicht pauschal Antagonisten.

    Ein weiterer Standpunkt von dir ist, dass zwischen Männern und Frauen ein Kompromisspunkt gefunden werden soll, bei dem beide Positionen sagen „Okay damit kann ich gerade noch so leben“
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was dein Problem ist. Der Nullpunkt bzw. Ausgangspunkt für Kommunikation egal welcher Art sollte doch gegenüber anderen Personen immer der gegenseitige Respekt sein.
    Extrembeispiel: Würdest du deinem Chef am ersten Tag deines neuen Jobs über den Flur „Ey Digger, alles fit im Schritt“ zurufen? Vermutlich nicht. Klar besteht die Chance, dass er es locker aufnimmt, aber in der Regel besteht hier ein rein professionelles Verhältnis. So sollte man auch Frauen auf der Straße begegnen. Klar besteht hier kein Arbeitsverhältnis, aber dennoch begegnet man einer fremden Person erst mal mit Respekt, Höflichkeit und auf Abstand. So wurde mir das beigebracht und die Menschen in meinem Familien-, Bekannten- und Freundeskreis sehen das auch so. Ausgehend von dieser Basis kann man der Frau auch ein höfliches Kompliment machen. Man(n) hat sein Interesse geäußert, Frau ist nicht verletzt. Win – Win oder?

    Du versuchst weiterhin deine Argumentation auf das Grundgesetz zu stützen, daher erst mal etwas Allgemeines zum Grundgesetz:

    Alle Menschen (natürliche Personen) sind Grundrechtsträger, im Grundgesetz wird zwischen Jedermann- und Deutschengrundrechten differenziert. Es kommt hin und wieder vor, dass sich zwei Grundrechtsträger gegenüberstehen, die ihr Grundrecht durch die Grundrechtsausübung eines anderen verletzt sehen. Falls ein Eingriff in ein Grundrecht vorliegt, muss überprüft werden, ob das gegenüberstehende Grundrecht durch bestimmte Gesetze eingeschränkt werden kann. Diese einschränkenden Gesetze müssen aber auch ihrerseits bestimmte Voraussetzungen erfüllen (sonst könnte ja jedes Gesetz jedes Grundrecht einschränken).

    Um bei dem Beispiel „Du bist ein Arschloch“ zu bleiben: Hier stehen sich die Ehre des Betroffenen und die Meinungsfreiheit des Anderen gegenüber. Ein Eingriff in die Ehre des Betroffenen liegt unzweifelhaft vor. Die Meinungsfreiheit kann und wird vorliegend auch auf zulässige Weise durch § 185 StGB (Beleidigung) eingeschränkt. Sodass die Meinungsfreiheit im vorliegenden Fall salopp gesagt „den Kürzeren zieht“.

    „Darf ich sagen „Boa, siehst Du geil aus. Wollen wir ficken?“ Auch das sagen zu dürfen beruht auf einem Grundrecht.“
    Hier muss man differenzieren:
    Wenn du das in der Öffentlichkeit gegenüber einer Frau sagst könnte man das ausgehend vom Grundgesetz zunächst deiner Meinungsfreiheit (Art. 5 I GG) zuordnen. Diese wird auch nicht durch § 184 h oder § 184 i StGB eingeschränkt. Äußerst du gleichen oder ähnlichen Inhalt am Arbeitsplatz oder im Zivilrechtsverkehr (Abschluss des Vertrages, sofern der Vertrag in den Anwendungsbereich des AGG fällt) stellt dies im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) sexuelle Belästigung dar. Denn nach dem AGG erfasst sexuelle Belästigung auch Äußerungen, Gesten und Blicke. Deine Aussage wäre also als solche zu werten. Jedoch muss die betroffene Person äußern, dass sie deine Aussage ablehnt. Tut sie das, liegt nach dem AGG sexuelle Belästigung vor. Wenn du so etwas gegenüber einer Kollegin äußerst, musst du also mit etwaigen Konsequenzen rechnen, wie Versetzung, Kündigung etc.

    Ich als Feministin möchte weiter gehen. Ich finde, dass sexuelle Äußerungen und Anmachsprüche in der Öffentlichkeit, die von Seiten des Gegenübers als unerwünscht kommuniziert werden, auch als sexuelle Belästigung und damit strafwürdiges Verhalten i.S.d. StGB gewertet werden können. Natürlich unabhängig davon, ob hier eine Frau oder ein Mann belästigt wird. Denn auch Männer können ungewollt Opfer solcher Äußerungen werden. Somit wäre deine erneute Aussage, dass meine Auffassungen undemokratisch seien, weil sie allein Frauen privilegierten, entkräftet. Bereits Art. 3 GG verbietet eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen.

    Ich kann dennoch nachvollziehen, wenn du sagst, dass man in einer Gesellschaft eben einiges aushalten muss. Allerdings werden Frauen ständig mit Anmachsprüchen, Hinterherpfeifen etc. konfrontiert und sehen sich dadurch in ihrem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht gem. Art. 2 I i.V.m. Art. 1 I GG verletzt. Wie gesagt, die Resonanz auf die #Metoo-Bewegung hat doch gezeigt, dass es vielen Frauen so geht, dass es sie stört, sie sich oft unwohl fühlen in der Öffentlichkeit. Deshalb finde ich es an der Zeit, dass der Gesetzgeber handelt. Mir ist aber auch sehr wohl bewusst, dass es sich bei der Auslegung eines solchen Gesetzes um ein zweiseitiges Schwert handeln würde. Auf der einen Seite muss ein Mann oder eine Frau ein Kompliment machen können, z.B. „Du bist sexy“,was ja grundsätzlich von der Meinungsfreiheit in Art. 5 I GG gedeckt ist, auf der anderen Seite darf eine Aussage nicht in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Empfängers nach Art. 2 I i.V.m. Art. 1 I GG eingreifen und ehrverletzend sein. Was noch Meinungsfreiheit ist und was schon in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht eingreift, müsste dann durch die Gerichte im konkreten Einzelfall durch sorgfältige Abwägung der entgegenstehenden Interessen entschieden werden.

    …so viel zum juristischen Kontext.

    Nun zu deinen evolutorischen Ansätzen:

    Grundsätzlich gebe ich dir Recht, was das Paarungsverhalten von Männchen und Weibchen angeht. Aber dieses lässt sich hauptsächlich nur noch im Tierreich vorfinden, denn was uns maßgeblich von Tieren unterscheidet, ist unsere Kultur. Diese ist nicht nur eine „Schicht“ die über die Natur gelegt wurde, sondern ein maßgeblicher Teil des Menschseins und mit der Entwicklung unseres Verstandes verknüpft. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass unsere Nachkommen schlauer sein werden als wir, daraus resultieren veränderte kulturelle bzw. gesellschaftliche Bedürfnisse. Mit der von dir erwähnten Asymmetrie ist es also bei den Menschen nicht so einfach. Es gibt auch genug Frauen, die auf Männer zugehen, um mit ihnen zu flirten oder einen One-Night-Stand oder was auch immer zu haben, sodass der Mann am Zug ist zu entscheiden, ob er das möchte oder nicht.

    „Hätten die Männer in der Vergangenheit diesen (An-)Trieb nicht gehabt, gäbe es keine Menschen; auch keine Frauen.“
    Schon, aber zur Fortpflanzung gehören immer zwei. Mann und Frau müssen beide zur Paarung bereit sein, damals, wie heute.

    Teil Zwei:

    Zum ersten Gedankenexperiment – natürlich würde ich mich für lockere Kleidung entscheiden, einfach weil sie auf einer verlassenen, mir völlig unbekannten Insel praktischer ist, denn ich weiß nicht was mich erwartet und das meine ich unabhängig davon, ob Frauen und/oder Männer mit an Bord wären. Was du damit sicher sagen willst ist, dass die Kleidung mit der Gesellschaft bzw. dem Umfeld verknüpft ist. In diesem Punkt stimme ich dir zu. In der Kirche kleide ich mich z.B. anders als im Club und im Club anders als in der Uni. Steigt und fällt jeweils das Risiko sexuell belästigt zu werden? Möglicherweise. Wenn ich leicht bekleidet in den Club gehe, wird das Risiko für Anmachsprüche oder gar sexuelle Übergriffe steigen. Aber ist diese Vermutung bzw. mein Bewusstsein über das Risiko automatisch ein Rechtfertigungsgrund mich belästigen zu dürfen? – NEIN! Ich verdiene es trotzdem respektvoll behandelt zu werden, wie oben bereits ausführlich erörtert.

    Zum zweiten Gedankenexperiment- Menschen mit Essen zu vergleichen halte ich für fragwürdig.
    Klar ist Sex neben Nahrungsaufnahme nach der Maslowschen Bedürfnispyramide auch ein Grundbedürfnis. Du kannst dir auch gerne deinen „Appetit“ bei Frauen holen, die dir in der Öffentlichkeit begegnen. Du darfst sie anschauen und dir deinen Teil denken. Aber nur weil du gerade Bock auf Sex hast, musst du das gegenüber einer Frau nicht gleich durch Hinterherpfeifen oder blöde Anmachsprüche zum Ausdruck bringen. Die Befriedigung deines Grundbedürfnisses kannst du dir auf unterschiedliche Weise holen. Dafür gibt es Apps und Internetseiten, um sich gezielt mit Frauen zum Sex zu verabreden und dann gibt es natürlich noch diverse Einrichtungen und Veranstaltungen.

    Du sagst weiterhin: „Mit den Männern passiert da etwas, das du kontrollierst, nicht sie.“

    Oh je… durch deine Aussage schießt du dir selbst ins Bein, indem du Männer indirekt als sabbernde, hilflos triebgesteuerte Wesen darstellst, die gar nicht anders können als Frauen zu belästigen. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass Männer genau wie Frauen ihren Verstand einschalten – und entscheiden können, welches Verhalten angemessen ist und welches nicht, wobei ich mir bei den Männern tatsächlich nicht ganz sicher bin (*Ironie off*). Wie im ersten Kommentar schon erwähnt, führe deine Argumentation dazu, dass Frauen selbst Schuld seien, wenn sie sexuell belästigt oder gar vergewaltigt würden. Das ist aber einfach falsch, sowohl juristisch als auch moralisch und lässt sich mit keiner evolutorischen Veranlagung oder Asymmetrie etc. rechtfertigen.

    Aber zurück zur Kleidung, die nach deiner Auffassung offenbar den Männern derart den Verstand vernebelt:

    Ich möchte an der Stelle noch mal auf Eliza Hatch verweisen, die die unterschiedlichsten Frauen als Betroffene sexueller Belästigung porträtiert hat. Hier wird im direkten Vergleich deutlich, dass diese Frauen zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten und demzufolge auch unterschiedlich bekleidet unterwegs waren, sodass hier ein Kleidungsbezug wegfällt.

    Aber angenommen es gäbe diesen Kleidungsbezug doch…

    Was soll ich also nach deiner Auffassung tun, wenn ich als Frau keine plumpen Anmachsprüche hören will? Keine kurzen Röcke anziehen, nur noch lange? Nur noch Jeans tragen, aber nur noch die Weiten – keine High Waist oder Skinny? Nur noch Rollkragenpullover, egal ob Sommer oder Winter? Mit weitem Schnitt, damit man die Rundungen meiner Brüste nicht sieht? Meine Haare nur noch unvorteilhaft hochgesteckt oder ganz und gar Glatze – wobei es bestimmt auch Männer gibt, die darauf stehen….hmm am besten ich kaufe mir einen XXXL Pullover und eine Hose in dieser Größe und binde um beides einen Strick. So sieht man wenigstens gar nichts mehr von meinem Körper. Oder soll ich mich ganz und gar für immer zu Hause einigeln und nie mehr rausgehen? Du merkst ich verfalle in einen sarkastischen Ausdruck.

    Weiterhin behauptest du, dass Feminist_innen sich selbst widersprechen würden, wenn sie Bilder von halbnackten Frauen auf Plakaten verbannen wollen und gleichzeitig fordern im öffentlichen Raum so herumzulaufen.

    Jedoch gibt es da keinen Widerspruch. Man denke z.B. an die Media Markt Werbung vor einigen Monaten. Darauf war eine freizügig gekleidete Frau abgebildet und dazu der Spruch #Männertage „An diesen Tagen streichelt er einfach alles, was Knöpfe hat“.
    Was haben Elektronik-Produkte mit halbnackten Frauen zu tun? Frauen werden hier auf erniedrigende Weise in Zusammenhang mit Gebrauchsgegenständen gestellt. Durch den Schriftzug Männertage wird indirekt auf die Menstruation von Frauen abgestellt à la: „Wenn Frauen ihre Tage haben dann,…“ Was ja irgendwie indirekt auf Klischees über die Menstruationsblutung der Frau und ihrer angeblichen „typischen“ Verhaltensweisen während dieser Zeit abzielt. Frauen werden dadurch also auf sexualisierte und veraltete Rollen in der Gesellschaft reduziert. Weiterhin frage ich mich, warum hier gezielt Männer angesprochen wurden? Die unterstellte Vorliebe für elektronische Geräte von Männern entspricht nicht der Wirklichkeit. Es gibt auch Frauen, die sich dafür interessieren. Weiterhin sollte man sich fragen, warum auf dem Bild kein Elektrogerät abgebildet ist. Die leicht bekleidete Frau wird hier in einen Bezug zu Sex gebracht und letztendlich ausgenutzt, um den Umsatz zu steigern.
    Wäre diese Frau auf einer Plakatwerbung für Kleidung oder Unterwäsche abgebildet gewesen, besteht der Bezug zum Produkt und alles ist in Ordnung. Ich will damit sagen, dass die wenigsten Feminist_innen vorhaben Werbung mit leicht bekleideten Frauen zu verbieten, nur wenn sich kein Zusammenhang zum Produkt feststellen lässt.

    Es geht den Feminist_innen also sowohl beim Verbannen solcher Werbung, als auch beim Bestreben, dass Frau in der Öffentlichkeit anhaben darf was sie möchte, ohne sexuell belästigt zu werden, um ein- und dieselbe Sache: Frauen sollen nicht objektifiziert werden!

    Abschließend sagst du:
    „Ein Gesetz, dass es Frauen erlauben würde, so sexy herumzulaufen, gleichzeitig Männern nicht erlaubte sich wenigstens durch Pfeifen oder Sprüche bemerkbar zu machen, und auch noch sexy Bilder auf Plakaten verböte, wäre drei Mal Frauenrecht gegen Männer. Das wäre total undemokratisch.“

    Solch ein Gesetz würde es nie geben, weil Gesetze allgemein gefasst sind und i.d.R. beide Geschlechter berücksichtigen, da sonst schnell ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot aus Art. 3 GG vorliegen würde.

    Aber Stück für Stück:

    1. Ich darf jetzt schon sexy rumlaufen. Das ergibt sich aus der Allgemeinen Handlungsfreiheit gemäß Art. 2 I GG eines jeden (egal ob Frau oder Mann) das zu tagen, was er/sie möchte. Kleidung kann auch Ausdruck der Persönlichkeit sein oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe veranschaulichen. Man denke z.B. an die Gothic-Kultur. Diese Freiheit findet ihre Schranken z.B. im Tragen verfassungsfeindlicher Symbole, was im § 86 a StGB geregelt ist.

    2. Wie oben erwähnt, sollte der Gesetzgeber meines Erachtens darüber nachdenken sexuelle, erniedrigende Äußerungen, denen der Gegenüber widersprochen hat, auch i.S.d. sexuellen Belästigung unter Strafe zu stellen. Wie bereits erwähnt, wäre dieses Gesetz für alle da, auch Männer könnten sich darauf berufen.

    3. Wie gesagt sollen nur Plakate verbannt werden, die rein objektifizierend wirken, bei denen sich kein Bezug zum Produkt herstellen lässt. Das sollte natürlich auch für halbnackte Männer auf Plakaten gelten, bei denen kein Bezug zum Produkt besteht (mir persönlich ist da allerdings kein Beispiel bekannt).
    Selbst bei der Durchsetzung von Nr. 2 und 3 würde dein Recht nicht verletzt werden, weil es im Falle des Falles auch dir zu Gute kommen kann.

    Du darfst dir beliebig viele Fotos von nackten Frauen anschauen, Pornos schauen, dir Kalender mit freizügigen Frauen hinhängen. Wenn du schnelle sexuelle Befriedigung suchst, gibt es Apps und Internetseiten, um sich mit Frauen zu diesem Zweck zu treffen und dann gibt es noch diverse Einrichtungen und Veranstaltungen. Das alles kannst und darfst du tun. Warum ist es also so viel verlangt, wenn Feminist_innen verlangen, dass Männer sich respektvoll verhalten und keine anzüglichen Bemerkungen machen?! Natürlich gilt das auch umgekehrt – auch Frauen haben sich respektvoll gegenüber Männern zu verhalten. Die logische Konsequenz ist: Wenn man einen Menschen auf der Straße sieht, den man sexuell anziehend findet, kann man auf diesen zugehen und sagen „Hey ich finde dich attraktiv, möchtest du vielleicht einen Kaffee trinken gehen?“ (oder so ähnlich).

    Gefällt mir

    • Womit habe ich Dich so wütend gemacht? Du haust ja richtig um Dich!

      Also: Wir haben über sexy Klamotten und die Reaktionen von Männern ‚gesprochen‘ – und jetzt holst Du aus zum Rundumschlag: Forschung, Arbeitsplatz, Party – bis zum erfundenen Machtgefälle … was soll das hier?

      „Aha, ist mir neu, also kann ich jetzt als Frau pauschal sagen die Erde ist eine Scheibe und bekomme Recht?“ Hast Du den Kontext verloren? Sprachen wir von Feminismus oder Naturwissenschaften? Irre … Und was daran schlimm ist wenn Zeitungen nur eine Meinung verbreiten, kannst Du durch Nachdenken selber raus finden (Stell Dir einfach mal vor, die würden alle schreiben, dass Frauen an den Herd gehören …).

      Dann zitierst Du mich mit „dass Menschen sehr verschieden sind“ und konterst wenig später mit „Insofern wünschen sich Männer nicht per se andere Regeln als Frauen“ – steht doch da oben und ist von mir: Menschen sind verschieden; es gibt aber Schwerpunkte. Und Du findest es bemerkenswert, dass Deine Freunde Deine Meinung teilen – hast Du Dir die vielleicht selbst ausgesucht, für Deine Filterblase? Das funktioniert – ist aber kein Argument. (Meine Freunde teilen übrigens auch überwiegend meine Meinungen)

      Wieso willst Du mir erklären, dass alle Menschen Grundrechtsträger sind? Mir war das klar, aber Dir anscheinend nicht wirklich, denn Du willst manche Grundrechte (freie Meinungsäußerung) nur den Männern zugestehen, die funktionieren, wie Du Dir das wünschst. Wieso darfst Du Dir wünschen wie Männer zu sein haben?

      Dann erzählst Du mir was von „Ehre [Du meinst vermutlich Menschenwürde] … und … Meinungsfreiheit“ und kennst mehrere Paragraphen. Tolles Beispiel für Mensplaining .. äh … Womensplaining? Und wie kommst Du jetzt von der Frau auf der Straße, über die wir sprachen, an den Arbeitsplatz?

      „Ich als Feministin möchte weiter gehen. Ich finde, dass sexuelle Äußerungen und Anmachsprüche in der Öffentlichkeit, die von Seiten des Gegenübers als unerwünscht kommuniziert werden, auch als sexuelle Belästigung und damit strafwürdiges Verhalten i.S.d. StGB gewertet werden können. Natürlich unabhängig davon, ob hier eine Frau oder ein Mann belästigt wird. Denn auch Männer können ungewollt Opfer solcher Äußerungen werden. Somit wäre deine erneute Aussage, dass meine Auffassungen undemokratisch seien, weil sie allein Frauen privilegierten, entkräftet. Bereits Art. 3 GG verbietet eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen.“

      Bist Du Dir klar, dass Deine Logik von ‚unerwünscht‘ auf ‚verbieten‘ und strafbewehrt schließt? Meinst Du das ernst? Wenn das ein zulässiger Schluss wäre, dürftest Du evtl. gar nicht mehr auf die Straße, weil irgendwer es ‚unerwünscht‘ findet, wenn Frauen draußen rum laufen! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Und Du meinst es würde dadurch gerecht, dass im Gesetz explizit keine Männer und Frauen vorkommen? Dann könnte man ja auch beschließen: ‚Menschen mit Brüsten und ohne Penis dürfen draußen nicht rum laufen.‘ Wärst Du damit einverstanden? Es würde ja für alle gelten, ohne Ansehen des Geschlechts – oder etwa doch nicht? Gibt es da einen Unterschied? Wenn überwiegend Männer Frauen ansprechen, besteht eine Asymmetrie, die auch Dein Gesetz asymmetrisch macht! Es wäre ein Gesetz um Männern zu verbieten, Frauen auf eine Weise anzusprechen die von diesen ‚unerwünscht‘ ist, auch wenn nichts von Männern drin steht. Und dieses ‚unerwünscht‘ dürfen selbstverständlich Frauen definieren. Wobei, wie ich erwähnt hatte, manche Frauen genau das unerwünschte wollen …

      Dann verweist Du auf Artikel 3 GG, den Du anscheinend nicht wirklich verstanden hast: in Kommentaren dazu heißt es nämlich ausdrücklich: „Art. 3 Abs. 1 GG gebietet es, Gleiches gleich, Ungleiches seiner Eigenart entsprechend verschieden zu regeln“ und „Der Gleichheitssatz ist verletzt, wenn wesentlich Gleiches willkürlich ungleich oder wesentlich Ungleiches willkürlich gleich behandelt wird“. Artikel 3 ist also keine Einladung zu solchen Tricksereien, wie Du sie da versuchst. Nirgendwo sonst gibt es dieses ‚wesentlich Ungleiche‘ so sehr, wie in der Sexualität. Du willst diesen Trick ja gerade gegen Männer einsetzen, Frauen quatschen Dich ja nicht an und Männer werden von Frauen auch selten angequatscht.

      Stell Dir ein Gesetz vor, nach dem alle im stehen pinkeln müssen – wäre das gerecht weil es für alle, Männer und Frauen, gilt? Und dass Du Dich durch Nachpfeifen in Deinem ‚Allgemeinen Persönlichkeitsrecht‘ verletzt fühlst ist ein wirklich übles Totschlagargument.

      Ich finde das total ärgerlich, mit welchem Selbstverständnis Du Deine Interessen für das Maß der Dinge hältst. Auf welches Grundrecht berufst Du Dich denn bei Deinen Forderungen? Pipi Langstrumpfs „Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …“ ?

      Soviel mal zum juristischer Kontext.

      Zur Evolution: Die physischen Reaktionen auf Reize sind messbar und werden von der Biologie dominiert. Da kommt dann die Kultur wie eine Schicht oben drüber. Und der intellektuelle/kulturelle Anteil an sexueller Lust ist vergleichsweise gering – mach doch mal ne Umfrage bei Deinen Freunden, wie viele beim Orgasmus an Nitzsche oder Margarete Stockowski denken oder beim Anblick des Traumpartners an Laury Penny oder Artikel 2 GG. Ich jedenfalls nicht. (Die Beispiele verstehen sich natürlich sinnbildlich, es dürfen auch andere Paragraphen, Personen oder sonstige Repräsentanten unserer Kultur sein)

      Und statistisch reagieren Männer eben anders als Frauen. Aber auch wenn das nicht so wäre, würde es nicht viel ändern: dann wolltest Du eben keine Frauenrechte gegen Männer, sondern ‚Ich bin aber so‘-Rechte gegen ‚Die sind aber anders‘-Rechte – what shalls? Es geht um Toleranz in einer pluralen Gesellschaft; aber Du erwartest nur Toleranz für Dein so-sein-wollen ohne selbst angemessene Toleranz zu üben.

      Was ich mit dem 1. Gedankenexperiment sagen wollte war: Du wählst Deine Klamotten, weil Du darin auf eine bestimmte Weise gesehen werden willst. Wenn Du Dich sexy kleidest, willst Du auch von Männern als sexy wahrgenommen werden; aber Du willst auch noch bestimmen, von welchen – das geht nicht. Es geht nicht darum, dass das sexuelle Belästigung rechtfertigt sondern darum, dass es keine ist: Du forderst Reaktionen heraus. Du willst nur sehr speziell festlegen, dass es sexuelle Belästigung sein soll. Aber diese Grenze kannst Du nicht alleine festlegen; dass dir etwas nicht passt macht es nicht zu einem Straftatbestand!

      Zu Experiment 2: Ich vergleiche Menschen nicht mit Essen, ich habe mich von einer Metapher leiten lassen – Männer sprechen manchmal von ‚Sahneteilchen‘ oder so; Dein ‚Lieblingsessen‘ diente also nur der Veranschaulichung. Hat wohl nicht geklappt. Mit meiner Befriedigung hat das übrigens nichts zu tun, nur mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung, um mal wider auf das ursprüngliche Thema zu kommen.

      Die folgenden ‚hilflos triebgesteuerte Wesen‘ sind zynisch, unangemessen und Schwarz-Weiß-Malerei – das bleibt weiter unkommentiert.

      „Was soll ich also nach deiner Auffassung tun, wenn ich als Frau keine plumpen Anmachsprüche hören will?“ Das ist wirklich kaum noch zu glauben: dreht denn die Welt sich um Dich? Hör Dir die Sprüche an und finde sie doof; das darfst Du auch antworten. Was tust Du denn, wenn Du keinen Regen willst? Oder wenn Du willst, dass die Vögel aufhören zu singen, weil Dich das nervt? Fragst Du auch „Was muss ich tun, damit ich beim Fahren eine SMS schreiben kann?“ Geht halt nicht – einfach tief durchatmen und akzeptieren. Die Welt gehört allen und nicht nur Dir oder ‚Den Frauen‘ oder ‚Den Männern‘ allein.

      Beim Punkt sexy Frauen in der Öffentlichkeit (z.B. auf Bildern) hättest Du fast einen Punkt gehabt – allerdings scheinst Du es für objektifizierend zu halten, wenn bei einer sexy Frau kein Zusammenhang zu einem Produkt besteht. Das bedeutet, dass Du Dich selbst objektifizierst, wenn Du so durch die Stadt läufst, denn ein Zusammenhang zu einem ‚Produkt‘ oder so (z.B. der Club in den Du gerade gehst) ist ja nicht erkennbar. Du bist da nichts anderes als sexy in der Stadt – das ist total objektifizierend. Wohingegen Männer Frauen eigentlich nie objektifizieren, wie ich weiter oben erläutert hatte.

      Der Rest, der da noch kommt, ist Womensplaining, bringt ein paar neue Paragraphen, die nicht zur Sache gehören, ist ansonsten alt und wird durch Wiederholungen nicht richtiger; habe ich schon mehrfach kommentiert.

      Ganz persönlich wünsche ich mir eine Gesellschaft oder sogar Welt (wenn wir beim Wünschen sind) in der alle versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Toleranz zu üben gegen das, was ihnen zwar nicht gefällt, was ihnen aber auch nichts tut. Die Hürden, um anderen etwas zu verbieten, müssen so hoch wie möglich liegen; Deine Befindlichkeiten können doch nicht das Maß aller Dinge sein.

      Reinhard

      Gefällt mir

      • Der „Rundumschlag“ galt vor allem potentiellen Lesern, die unsere Diskussion evtl verfolgen. Ich wollte damit verdeutlichen, dass Feminismus über die Sexismus-Debatte hinausgeht. Ich finde nicht, dass Zeit und Spiegel „einseitig“ berichten. Ihre Beiträge sind meiner Meinung nach sehr gut recherchiert, sachlich und wissenschaftlich. Wenn du das anders siehst musst du das nicht lesen. Ich halte das Compact-Magazin beispielsweise für populistisch und lese es aus diesem Grund nicht. Was nicht heißt, dass ich in einer Filterblase leben würde (wie du ja im Verlauf unterstellst). Im Gegenteil, ich informiere mich aus unterschiedlichen Quellen und diskutiere mit Leuten wie dir, die eben nicht meiner Meinung sind.

        Du hast geschrieben, dass wir in einer Gesellschaft leben in der Frauen Recht haben, wenn sie ihre Sichtweise darstellen. Dies ist eine sehr allgemeine Aussage, die so nicht stimmt, daher mein Zynismus, also nein ich habe nicht den Kontext verloren. 😉

        „Wieso willst Du mir erklären, dass alle Menschen Grundrechtsträger sind? Mir war das klar, aber Dir anscheinend nicht wirklich, denn Du willst manche Grundrechte (freie Meinungsäußerung) nur den Männern zugestehen, die funktionieren, wie Du Dir das wünschst. Wieso darfst Du Dir wünschen wie Männer zu sein haben?“

        Aha, mir war also nicht klar, dass alle Menschen Grundrechtsträger sind. Wäre schon blöd, wenn man das als Jurastudentin nicht weiß, aber okay…Du hast mir mit deiner „Belehrung“ darüber was Grundrechte sind, ich zitiere: „Beispiel Meinungsfreiheit (genauer: das Recht auf freie Meinungsäußerung). Das ist ein Grundrecht!“ eine Steilvorlage geliefert. War das etwa kein Mansplaining? Vermutlich sagst du nein, ich sage: doch! Und so geht das immer weiter und weiter….eigentlich ist es sinnlos, dass ich auf deine Kommentare noch antworte. Du hast deine Meinung zu dem Thema, ich habe meine und weder du findest meine Argumente überzeugend, noch ich deine. Aber gut, ein paar Sachen möchte ich dann doch klarstellen.

        Du drehst meine Worte förmlich um bzw. entstellst ihren Sinn. Ich habe zig mal erwähnt, dass Rechte für alle Geschlechter gelten, also auch die freie Meinungsäußerung logischerweise. Nur habe ich die Meinungsfreiheit auf den konkreten Fall (das Beispiel von dir) bezogen, in dem ein Mann einer Frau irgendeinen Anmachspruch hinterherruft.

        Die Ehre ist Ausfluss von Art. 2 I i.V.m. Art. 1 I GG, dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, was aber auch mit der Menschenwürde verknüpft ist.

        Du hast in einem deiner vorherigen Kommentare pauschal behauptet, dass du zu einer Frau sagen darfst „Boah siehst du geil aus. Wollen wir ficken?“ und auch das beruhe auf einem Grundrecht. Ja schon, aber es gibt eben Einschränkungen dieses Grundrechts, deshalb das Beispiel mit dem Arbeitsplatz.

        Ich sehe ein, dass die Formulierung „unerwünscht“ unglücklich gewählt ist, aber das soll ja auch keine Formulierung sein, die 1 zu 1 in ein mögliches Gesetz übernommen wird. Die Formulierung ist ja schließlich Aufgabe des Gesetzgebers. Wie gesagt zeigen ja die ganzen Sexismus-Debatten, dass sich viele Frauen belästigt fühlen, wenn ein Mann ihnen hinterherpfeift oder sexistische Sprüche an den Kopf wirft. Ich finde der Gesetzgeber sollte dieser Tatsache durch ein entsprechendes Gesetz Rechnung tragen. Natürlich sollte ein Strafgesetz immer letztes mögliches Mittel sein (ultima ratio).

        Ich verstehe deine weitere Argumentation ehrlich gesagt nicht und sage noch mal Gesetze sind für alle Geschlechter da. Man wird in einem Gesetz niemals auf „Brüste“ oder „Penis“ abstellen.

        Erstens finde ich es wie gesagt fragwürdig, ob so eine Asymmetrie beim“Ansprechen“ heutzutage besteht. Kennst du Statistiken dazu? Und wird da auch „Ansprechen“ auf Social Media Kanälen und über Dating Apps einberechnet? Ich glaube dein Weltbild, dass überwiegend Männer Frauen ansprechen bzw. anmachen ist überholt. Demzufolge besteht keine Asymmetrie.

        Ich habe Art. 3 schon verstanden und du hast die Willkürformel sehr schön zitiert. Ich beziehe mich hier konkret auf Art. 3 II und III, Art. 33 III GG – also die Diskriminierungsverbote. Die stellen eine nochmalige Verstärkung des Rechts auf Gleichbehandlung dar, indem sie bestimmte Gründe für die Rechtfertigung einer Ungleichbehandlung von vornherein ausschließen: Die gilt für die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Diese wäre nach den besonderen Diskriminierungsverboten verletzt, wenn man die von dir dargestellte Asymmetrie von Männern und Frauen im Gesetz regeln würde. Das geht eben nicht, aufgrund dieses Diskriminierungsverbots.
        Du machst mir ständig den Vorwurf, dass es total undemokratisch wäre mehr Rechte für Frauen zu fordern. Dabei will ich gar nicht MEHR Rechte für Frauen, weil das erstens nach dem Diskriminierungsverbot sowieso nicht ginge und zweitens will ich einfach GLEICHE Rechte für ALLE. Wie gesagt ich möchte, dass man sich gegenseitig mit Respekt behandelt und niemand, EGAL ob Mann oder Frau sich dumme Anmachsprüche anhören muss. Ich finde es immer noch nicht einleuchtend, was du daran so schlimm findest.

        „Die folgenden ‚hilflos triebgesteuerte Wesen‘ sind zynisch, unangemessen und Schwarz-Weiß-Malerei – das bleibt weiter unkommentiert.“
        Du stellst die Männer doch so dar, indem du sagst sie hätten keinen Einfluss darauf, was mit ihnen passiert. Menschen haben vielleicht keinen Einfluss darauf, wie sie sich fühlen oder was sie unwillkürlich denken, wenn sie anderen Menschen begegnen, aber sie haben sehr wohl einen Einfluss darauf, wie sie gegenüber anderen Menschen handeln. Indem du sagst, dass Männer dies nicht kontrollieren, reduzierst du sie auf ihre Triebe. Meine Reaktion war rein sarkastisch und deshalb nicht ernst gemeint. (das habe ich sogar explizit dazu geschrieben)

        „Die Welt gehört allen und nicht nur Dir oder ‚Den Frauen‘ oder ‚Den Männern‘ allein.“
        Du tust so, als sei ich die Einzige, die es stört wenn sie dumm angemacht wird. Nochmal: #Metoo, Eliza Hatch und zahlreiche weitere Debatten und Personen zeigen, dass es eben nicht nur mir so geht. Somit ist es kein Thema mehr was einfach so akzeptiert werden muss oder nicht zu ändern ist. Deine Vergleiche ergeben schlicht keinen Sinn. Verhalten lässt sich ändern, das Singen der Vögel jedoch nicht.

        „Wohingegen Männer Frauen eigentlich nie objektifizieren, wie ich weiter oben erläutert hatte.“
        Was ist es denn anderes als objektifizierend, wenn Männern Frauen hinterherpfeifen oder einen anzüglichen Kommentar abgeben. Sie werten die Frau ab, indem sie sie auf ihr Äußeres reduzieren, bewerten sie regelrecht. Ein Kompliment ist das nicht. Ein Kompliment ist es, wenn der Mann respektvoll auf die Frau zugeht und ihr z.B. sagt „Hey, ich finde dich attraktiv“ Aber durch Hinterherpfeifen, wollen diese ja nicht einmal kommunizieren, sondern nur bewerten. Das meine ich mit Objektifizierung. Genau diese Objektifizierung findet auf Plakaten statt, die in keinem Kontext zum Produkt stehen. Frauen werden auf Plakaten wie der Media Markt Werbung nach Stereotypen dargestellt. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Männer mögen Technik, Frauen nicht. Wie gesagt der Frauenkörper wird hier in Szene gesetzt, um Umsätze zu erzielen. Durch solche Plakate wird ein Frauenbild vermittelt, das überholt ist. Wenn Frauen sich freizügig in der Öffentlichkeit kleiden, ist das ihre Entscheidung. Aber Frauen sind verschieden, jede sieht anders aus, trägt etwas anderes in der Realität. Durch Werbung ohne Bezug wird jedoch ein gewisses Frauenbild vermittelt, sozusagen der Gesellschaft „aufgezwungen“, was die Frau vorwiegend als Sexobjekt darstellt.

        Noch mal abschließend: Deinem letzten Absatz kann ich nur zustimmen. Aber es geht hier nicht allein um meine Befindlichkeiten, wie gesagt, ich bin nicht die Einzige, wir sind auch nicht nur zu 2. oder 3., sondern viele. Und auch das ist Demokratie: Wenn viele Menschen aufbegehren muss Politik und Gesellschaft eine Lösung finden (sieht man ja z.B. gerade bei Fridays for Future).

        „Die Hürden um anderen etwas zu verbieten, müssen so hoch wie möglich liegen“
        Das sehe ich grundsätzlich genauso, nur wenn es nicht anders möglich ist sollten Anmachsprüche und Hinterherpfeifen meiner Meinung nach als sexuelle Belästigung i.S.d. StGB gelten. Vorher sollte nach einer anderen Lösung gesucht werden.

        Gefällt mir

  11. Hi,

    leider habe ich im Moment nicht mehr die Zeit Dir so ausführlich zu antworten wie bis her. Darum muss ich mich heute kürzer fassen.

    Ich finde das schon enttäuschend, dass wir nicht in der Lage sind, in der Angelegenheit irgendein gegenseitiges Verständnis zu finden – gerade Du als angehender Jurist solltest doch in der Lage sein, Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und gegeneinander abzuwägen; ich hatte versucht, Dir die Bedeutung einer anderen Sichtweise verständlich zu machen.

    Nun gut, da wir uns also nicht verstehen werden, versuche ich mal so gut ich kann, den Diskurs ganz auf die Gesetzeslage zu reduzieren. Und da die Sache abstrakt betrachtet zunächst nichts mit Männern und Frauen zu tun hat, versuche ich es also mal so:

    1. A ruft B etwas zu, das B nicht hören will
    2. B will dieses Zurufen verbieten lassen
    3. A beruft sich aber auf sein Grundrecht der freien Meinungsäußerung
    4. Grundrechte dürfen nur durch andere Grundrechte eingeschränkt werde
    5. Auf welches Grundrecht könnte sich B berufen um per Gesetz verbieten zu lassen, dass ihm oder ihr etwas zugerufen wird? Wohl Artikel 1 und 2.
    6. Da ein Verbot letztlich davon abhängen muss, was zugerufen wird, ist die entscheidende Frage wohl: was darf man jemandem warum nicht zurufen, bzw, was würde, wenn man es jemandem zuriefe, irgendeines seiner Grundrechte verletzen?

    Dafür liegt die Latte sehr hoch. Z.B. verletzt eine Aussage wie „Frauen sind bei der Entwicklung zum Menschen im Niemandsland zwischen Affe und Mensch stehen geblieben“ oder Frauen sind „gefühlloser Glotzmist, wandelnder Misthaufen“ nicht die Menschenwürde – was ich beunruhigend finde; ist aber so. Allerdings wäre es wohl beleidigend, jemand persönlich so zu bezeichnen; Gruppen können wohl nicht beleidigt werden.

    Zu diesen Aussagen (s.o.)schreibt ein Staatsanwalt: „Schließlich ist in der Äußerung auch kein Angriff auf die Menschenwürde zu sehen, denn ein solcher Angriff liegt nur vor, wenn dieser sich nicht gegen einzelne Persönlichkeitsrechte (z.B. Ehre) richtet, sondern den Menschen im Kern seiner Persönlichkeit trifft, indem er unter Missachtung des Gleichheitssatzes als unterwertig dargestellt und ihm das Lebensrecht in der Gemeinschaft bestritten wird; notwendig ist, dass es sich ‚um eine Tat handelt, die deshalb unmenschlich ist, weil sie das Menschentum des Angegriffenen bestreitet oder relativiert … ‚Auch diese Voraussetzung liegt erkennbar nicht vor.“

    Ich bin kein Jurist und habe nicht die entsprechenden Quellen zur Hand, darum kann ich nur logisch argumentieren und mir bequeme Quellen such: um eine Aussage verbieten (und mit Strafe bewehren) zu können, muss also eine Verletzung der Menschenwürde oder eines einzelnen Persönlichkeitsrechts vorliegen. Nach Wikipedia stützte „der Bundesgerichtshof … das Persönlichkeitsrecht bereits kurz nach Inkrafttreten des Grundgesetzes im Jahr 1949 auf das Recht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Absatz 1 GG) und auf den Schutz der Menschenwürde (Art. 1 Absatz 1 GG).[3][4]“

    Jetzt erkläre Du mir bitte an einem konkreten Beispiel, durch was Dein Recht auf freie Entfaltung so weit eingeschränkt würde, dass es gerechtfertigt wäre, das Grundrecht anderer auf freie Meinungsäußerung einzuschränken. Und ich meine jetzt den öffentlichen Raum, nicht den Arbeitsplatz oder andere möglicherweise einschränkende Umstände.

    Also welche platte, unfeine, nicht beleidigende Anmache könnte das sein? Ich denke darüber, dass ‚Hinterher-pfeifen‘ da nicht ausreicht, sind wir uns doch bei etwas Nachdenken einig – oder?

    Gefällt mir

    • Hallo Reinhard, wir sind hier in einem Diskurs und nicht in einem juristischen Gutachten, wo ich die gegenüberstehenden Interessen genau abwägen muss und selbst da müsste ich mich auf der Grundlage von Argumenten für eine Meinung entscheiden.
      Gerade bei juristischen Problemfeldern gibt es oftmals kein Richtig oder Falsch.
      Ja, du hast mir in aller Ausführlichkeit versucht, deine Sichtweise deutlich zu machen. Aber ich halte deine Argumente eben nicht für überzeugend. Wahrscheinliche genauso wenig, wie du meine überzeugend findest und das ist auch völlig in Ordnung.

      Nr.4: Grundrechte können übrigens auch durch unterverfassungsrechtliche Normen eingeschränkt werden, zu deren Setzung durch Verfassungsvorschrift ermächtigt worden ist.

      Nr. 5: Ja, ich würde hier vom Allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 I i.V.m. Art. 1 I GG) ausgehen.

      Nr. 6: Ja, hier liegt das Problem.
      Es liegt letztendlich in der Entscheidung des Richters bzw. eventuell auch in der Entscheidung des Gesetzgebers, falls irgendwann ein Gesetz, welches obszöne Bemerkungen, Hinterherpfeifen etc. unter Strafe stellt.

      Frankreich hat eine gewisse Vorreiterrolle. Dort wurde unter dem Begriff der sexuellen Belästigung auf der Straße Nachrufe, unangebrachte Gesten, anzügliche Bemerkungen über den Körper, Pfiffe, aufdringliche und obszöne Blicke, Verfolgen einer Person über eine gewisse Distanz hinweg gefasst. Natürlich birgt all das eine Reihe an juristisch komplexen Fragen, z.B. was ist eine gewisse Distanz und welchen objektiven Anhaltspunkt gibt es beim Hinterherlaufen einer Person für eine sexuelle Belästigung. Natürlich muss einerseits der Gesetzgeber näher ins Detail gehen, auf der anderen Seite muss die Rechtsprechung diese Begriffe unter Beachtung des Einzelfalls auslegen.

      Was ich damit sagen möchte: Es gibt keinen Fall den man als Ausgangpunkt für sexuelle Belästigung bilden könnte, viel mehr kommt es auf den Einzelfall an.

      Um bei deinem Beispiel von oben zu bleiben: Eine Person sagt zu einer anderen „Boah bist du geil. Wollen wir ficken?“ Hier stehen sich die Meinungsfreiheit des Äußernden und das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Empfängers gegenüber. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasst auch das Recht der Selbstdarstellung, also das Recht des Einzelnen sich herabsetzender, entstellender und unerbetener öffentlicher Darstellung erwehren zu können. Durch die oben genannte Aussage wird der Adressat auf sein Äußeres reduziert und als bloßes Sexobjekt dargestellt. Der Adressat wird also in herabsetzender Weise in der Öffentlichkeit dargestellt. Die Aussage greift damit in das allgemeine Persönlichkeitsrecht ein. Ferner war es der/dem Äußernden möglich und zumutbar auf andere Art ihr/sein Interesse am Gegenüber Ausdruck zu verleihen, sodass hier kaum von einer Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit gesprochen werden kann. Der/die Betroffene hingegen ist den herabwürdigenden Aussagen der anderen Person ausgeliefert und hat keine andere Möglichkeit als diese im Moment des Geschehens über sich ergehen zu lassen, sodass die Beeinträchtigung in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht hier schwerer wiegt, als die Meinungsäußerung.

      Zum Hinterherpfeifen:
      Zunächst ist überhaupt fraglich, ob Hinterherpfeifen eine Meinungsäußerung darstellt oder ob diese verbal erfolgen muss. Die Meinungsäußerung wird sehr weit gefasst. Das BVerfG spricht von Äußerungen, die durch „Elemente der Stellungnahme“ gekennzeichnet sind. Das Hinterherpfeifen stellt eine Form der persönlichen Bewertung einer Person dar und ist somit als Element der Stellungnahme, letztlich auch als Meinungsäußerung zu werten. Durch das Hinterherpfeifen wird dem Adressaten eine Äußerung sexueller Natur aufgedrängt. Das Pfeifen soll in der Regel Bewunderung für den Körper bzw. das Aussehen des Gegenübers zum Ausdruck bringen. Dieses Verhalten ist jedoch geeignet vom Adressaten als belästigend empfunden zu werden. Der Adressat wird mit einer Lage konfrontiert, in die er sich nicht freiwillig begeben hat und der er im Moment des Geschehens ausgeliefert ist. Außerdem steht die Würde des Menschen, welche vom Allgemeinen Persönlichkeitsrecht mit umfasst ist der verbal oder durch Gesten geäußerten Bewertung von Menschen in der Öffentlichkeit aufgrund ihres Aussehens und/oder Geschlechts entgegen, es sei denn, diese Person zeigt sich ausdrücklich damit einverstanden. Weiterhin war es dem Hinterherpfeifenden auch hier möglich und zumutbar seine Anerkennung in respektvoller Form Ausdruck zu verleihen, weshalb eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zu Gunsten des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts hier möglich und sinnvoll erscheint.

      Dies ist meine Einschätzung. Du siehst das sicher anders. Es gibt sicher auch Juristen, die es anders sehen, aber wie gesagt, im Zweifel ist es Auslegungssache und obliegt dem Richter.

      Gefällt mir

      • Hi,

        Du schreibst:

        „… im Zweifel ist es Auslegungssache und obliegt dem Richter.“

        Das klingt für mich jetzt etwas sehr nach dem bekannten: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Zwar gibt es vor Gericht keine absoluten Sicherheiten, aber rein willkürlich werden Urteile ja nicht gefällt. Da geht es dann schon um handfeste Begründungen und zumindest um Plausibilität, aber auch um Verhältnismäßigkeit.

        Dann schreibst Du:

        „Durch die oben genannte Aussage wird der Adressat auf sein Äußeres reduziert und als bloßes Sexobjekt dargestellt. Der Adressat wird also in herabsetzender Weise in der Öffentlichkeit dargestellt.“

        Ist nicht nachvollziehbar, es geht nicht um Sexualobjekt und nicht um Reduzierung, es geht um eine konkrete Aussage zu einem konkreten Sachverhalt. Ob jemand Dich in den siebten Himmel vögeln, hinterher vielleicht Plaudern oder gar Diskutieren will, weißt Du nicht, Du unterstellst das einfach. Und darüber hinaus ist es das Recht eines Jeden, jemanden auf die Rolle als Sexualobjekt zu reduzieren. Du kannst ja auch jemanden auf seine Rolle als Dolmetscher, Fahrlehrer oder sonst was reduzieren, unabhängig davon, ob der Jemand das will oder nicht.

        Und zum Hinterher-Pfeifen:

        „Dieses Verhalten ist jedoch geeignet vom Adressaten als belästigend empfunden zu werden.“

        Eben, mehr nicht, und nicht ausreichend um Grundrechte einzuschränken!

        „Außerdem steht die Würde des Menschen, welche vom Allgemeinen Persönlichkeitsrecht mit umfasst ist der verbal oder durch Gesten geäußerten Bewertung von Menschen in der Öffentlichkeit aufgrund ihres Aussehens und/oder Geschlechts entgegen“

        Bestimmt nicht, und ich denke, dass das keine Auslegungssache ist.

        Und letztlich geht es darum, ob wir lieber Frieden oder Krieg wollen. Man kann das Gericht anrufen wenn der Nachbar das Radio zu laut hat, der Ausländer ne Grimasse geschnitten hat, auf dem Wagen die Blätter vom störenden Baum des Nachbarn liegen, der Schatten der Fußballfahne des Nachbarn in mein Wohnzimmer fällt – oder einer mir Hinterher-Pfeift. Da kenne ich allerdings Frauen, die darauf stolz sind; auch denen willst Du was nehmen.

        Ich denke, das ich keine Auslegungsfrage sondern überzogen und intolerant. Sei doch einfach etwas entspannt und großzügig, das tut Dir und den anderen gut.

        Gefällt mir

  12. Natürlich geht es vor Gericht um Verhältnismäßigkeit, deshalb sage ich ja, es kommt auf den Einzelfall an.

    Es ist schon etwas anderes, wenn Laub auf dem Autodach liegt im Vergleich zur Objektifizierung und Belästigung von Frauen. Du bagatellisierst damit das Thema und nur weil du ein paar Frauen kennst, die es toll finden, wenn man ihnen hinterherpfeift, heißt es nicht automatisch, dass alle anderen solch ein Verhalten hinnehmen und für die Zukunft akzeptieren müssen. Wir sind eben und zum Glück nicht mehr in den 50er Jahren, wo Frauen brav hinter dem Herd standen ,sich um Ehemann und Familie kümmerten und Sexismus damit Alltag war. Wir leben in einer fortschrittlichen Gesellschaft. In vielen Bereichen unserer Politik und Gesellschaft findet gerade ein grundlegender Wandel und ein Umdenken statt. Diesbezüglich spielt auch die Sexismus-Debatte eine große Rolle. Insofern ist es meiner Meinung nach wünschenswert, dass sich auch die Gesetzeslage in Deutschland, angelehnt an die Ideen Frankreichs, ändert.

    Ich werde an dieser Stelle jetzt nicht näher auf deine Aussagen eingehen. Wir haben beide unsere Standpunkte zu dem Thema und damit möchte ich die Diskussion abschließen.

    Gefällt mir

  13. „Ich finde, dass sexuelle Äußerungen und Anmachsprüche in der Öffentlichkeit, die von Seiten des Gegenübers als unerwünscht KOMMUNIZIERT werden, auch als sexuelle Belästigung und damit strafwürdiges Verhalten i.S.d. StGB gewertet werden können.“ (Hervorhebung von mir)

    Ich bin kein Jurist, aber meines Wissens nach ist genau das doch bereits der Fall.
    Der wesentliche Aspekt ist hier aber, dass ihr beide euch doch einig seid.
    Siehe:
    „Dafür müsstest Du ein Zeichen tragen an dem ein Mann Deine Absicht erkennen kann…“

    Der Unterschied besteht doch darin, dass du die Kommunikation nicht selbst führen willst, sondern diese an den Gesetzgeber abgeben willst.

    Von jedem Menschen (und gendergerecht natürlich auch von jeder Menschin) finde ich, kann man soziale Veratnwortung erwarten. Und das schließt selbstverständlich die Mönner mitein, die Abfuhr zu tolerieren.

    Du schreibst:
    „Demzufolge handelt es sich hier um keine Randmeinung, die zu polarisieren versucht.“
    Da dies selbst eingefordert hast, bitte ich hier um eine Quantifizierung wie viel den ‚viele Frauen‘ sind, die nicht (schlecht/herabwürdigend) angebaggert werden wollen.

    „Warum ist es also so viel verlangt, wenn Feminist_innen verlangen, dass Männer sich respektvoll verhalten und keine anzüglichen Bemerkungen machen?! Natürlich gilt das auch umgekehrt – auch Frauen haben sich respektvoll gegenüber Männern zu verhalten. Die logische Konsequenz ist: Wenn man einen Menschen auf der Straße sieht, den man sexuell anziehend findet, kann man auf diesen zugehen und sagen „Hey ich finde dich attraktiv, möchtest du vielleicht einen Kaffee trinken gehen?“ (oder so ähnlich).“

    Erkläre mir bitte was Respekt ist.
    Den spruch hab ich in meiner Jugend übrigens oft gebracht, insbesondere in Fußgängerzonen, Einkaufspassagen, an der Uni,…
    Von ‚Ja gerne‘ über ‚Sorry du bist nicht mein Typ‘ bis ‚Verpiss dich du Arschloch‘ würde ich mal behaupten, ich hatte das ganze Antwortspektrum dabei. Insbesondere vergleichbare Vulgärantworten waren recht oft dabei.
    Hätte ich jetzt letztgenannte wegen Beleidigung anzeigen sollen?

    „Dabei will ich gar nicht MEHR Rechte für Frauen, weil das erstens nach dem Diskriminierungsverbot sowieso nicht ginge und zweitens will ich einfach GLEICHE Rechte für ALLE.“

    Nenne mir bitte die Rechte, die ich als Mann habe, die du nicht auch als Frau hast.
    Ich kenne nur Rechte die du hast, weil du eine Frau bist und mir verwehrt werden, weil ich ein Mann bin.
    Und ebenso nur Pflichten die mir auferlegt werden, weil ich ein Mann bin, dir aber erspart bleiben, weil du eine Frau bist.
    (Und ja ich nenne sie dir ggf gerne, als Jurist, solltest du die aber kennen (finde ich))

    Meines Wissens nach geht unser recht nach dem Prinzip:
    Was nicht verboten ist, ist erlaubt.
    Das was du (bzw. der Feminismus) hier forderst, ist meiner Meinung nach aber der erste Schritt in Richtung:
    Was nicht erlaubt ist, ist verboten.
    Daher finde ich die Forderung schlecht, somal sie auch (wie oben bereits geschildert) die Abgabe von sozialer Verantwortung bedeuted.
    Und gerade das erachte ich als Entmündigung von Frauen und auch respektlos ihnen gegenüber.

    Gefällt mir

  14. Ob man mit Feministinnen Kommunizieren kann?
    So würde ich den PC von 2 Feministinnen betiteln.

    Da auch die Dame hinter der besprochenen Dokumentation an sich selbst feststellte, was die beiden Yoga und Fraugengedöns Feministinnen in ihrem PC merken.

    Frauen haben (heute) negative Empathie.
    Oder übertriebenen Solipsismus.
    Wie man’s drehen mag.

    Einfach mal 15 Minuten reinhören.
    Wenn das überhaupt geht.

    Gefällt mir

    • Nur weil sie nackt im Park eine Ordnungswiedrigkeit beginge und wir eine Straftat. 🙂
      Vielleicht lernt sie mal eine Juristin kennen, die könnte ihr dann fundiert die Benachteiligungen auflisten.

      Der Podcast scheint auch geschmeckt zu haben.

      Mit Feministinnen – besonders den sich nicht radikal glaubenden – ist Kommunikation sinnfrei.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s