Die absurde Welt des Raffael

Begegnungen

Dr. Schwarz ging mit einem mulmigen Gefühl in den Umkleideraum des Krankenhauses. Was wollte Frau Winter bloß von ihm? Eilig zog er die Jeans und das Karohemd an. Er liebte den unauffälligen Look. Zuletzt warf er einen Blick in den Spiegel und strich sich durch die rot-blonden Haare. Ein hoffnungsloser Fall, wie er registrierte. Dr. Schwarz passierte die Tür des Krankenhauses und trat einem freundlichen Herbsttag entgegen. Weiterlesen

Die absurde Welt des Raffael

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Die Alte kam zu dem Krankenzimmer hereingehumpelt. Mit besorgtem Blick, der irgendwie auf seltsame Weise verstellt wirkte, fragte sie: „Wie geht es dir Liebling?“ Raffael versuchte sich aufzurichten, doch sein Kopf dröhnte. „Na ja, abgesehen von ziemlichen Kopfschmerzen und einem seltsamen Traum, ganz gut glaube ich. Ich wollte eigentlich nicht, dass du mich so siehst Mutter. Ich weiß nicht was passiert ist, aber der Alkohol hatte mich vermutlich fest im Griff.“ Seine Mutter lächelte und nahm seine Hand. „Das bekommen wir schon wieder hin mein Liebling. Jetzt ruhe dich erst mal aus. Der Arzt wird gleich nach dir sehen.“ Weiterlesen

Maskenball

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Ein feiner Herr schwebt übers Pakett

und eine Dame spielt kokett mit ihrem eingedrehten Haar

Er hält ihr die Hand zum Tanze hin.

Sie ergreift sie und lächelt,

ganz wunderbar.

Ihre Lippen so sinnlich rot ausgemalt, jede Wimper und jedes Haar perfekt in Form.

Sie strahlt aus: Ich gehöre nicht zur ungeschminkten Norm.

Ein schönes Make-up hat sie da, makellos – ganz klar!

Was mag sich unter dieser Maske wohl verbergen?

Ein Pickel, Selbstzweifel oder ein schlechter Charakter

Mein ehrliches Herz fühlt sich gleich viel nackter

Bin entblößt und möchte mich verstecken

Mich mit Buchseiten, aufrichtigen Worten zudecken

Stattdessen verfange ich mich in diesem Netz aus Lügen

Ich kann nicht anders und muss mich fügen

Man reicht mir eine Maske

Ich setze sie mir auf

Das Getanze und Getue nimmt weiter seinen Lauf

Ich stehe am Rand und schaue zu

Werd‘ das Gefühl nicht los

Ich gehör hier nicht dazu!

Theater spielen können sie gut,

doch haben sie den Mut Gerechtigkeit zu sprechen

oder reicht es, wenn die Mandanten ordentlich blechen?

Ich schaue in ihre aufgemalten Gesichter

Steckt hinter manchen bereits ein Richter

oder ein Seelenverwandter,

vielleicht ein Dichter?

Oh bitte nehmt eure Masken ab

Schaut nicht so auf mich herab

Ich würd‘ mich gern mit euch verstehen

leuchtende Augen, errötete Wangen sehen

Ihr beachtet mich nicht

genießt die Aufmerksamkeit und tretet ins Rampenlicht

Was ist das bloß für ein Menschenschlag in den ich bald hineingerat?

 

Der Zeiten Himmel

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Ich überlebte die Nacht

Sie starb in meinen Armen

ein schriller Vogelschrei stach in ihr pechschweres Herz

Der Sonnenkönig tauchte die Welt in Farben

küsste meine Schläfen

säuselte Schlaflieder

und bettete mich in ein Kokon aus Licht

zur Ruh‘

Bis die Dämmerung den Sonnenkönig köpft

und sein Haupt blutend am Horizont entschwindet.

Dann bricht die Nacht herein

Luna taucht ein Stück der irdischen Welt in gespenstisches Licht

auf der Suche nach dem Sonnenkönig,

doch findet ihn nicht

Eine Himmelsjagd beginnt,

in der ein jeder dem anderen entrinnt

Zwei Liebende

getrennt durch die Eifersucht der Zeit

auf immer und alle Ewigkeit.

 

Seelenwächter: Kapitel 3

Nichts ist, wie es scheint

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Ich war wieder in den düsteren Industriehallen. Es war dunkel. Nur hier und da tauchte der Mond den riesigen Raum in gespenstisches Licht. Die kleinen, scheibenlosen Fenster klafften, wie seelenlose Augen in den Wänden. Bei einigen wurden die Scheiben nicht gründlich ausgeschlagen. Die Rückstände wirkten wie Reißzähne und schimmerten im Mondlicht. Irgendetwas tropfte stetig. Mich beschlich ein seltsames Gefühl. Weiterlesen

Dieb der Herzen

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Jeder Ton durchdringt meine Poren

du spürst es nicht

Ich lege mich in die Musik

sie gelangt nie an deine Ohren

Treibe es auf die Zehnspitzen

du bleibst am Boden

ich folge meiner Hand

vielleicht weist sie mir den Weg

Zu dir

Entführt mich doch ins Nimmerland

Ich springe und schwebe ins Nichts

Vielleicht falle ich in deine Arme

der Boden fängt mich auf

ich liege am Fuße der Treppen

und schaue zu dir hinauf

Deine gläsernen Augen sehen mich nicht

Wir ziehen vorbei

durch die Nebel der Zeit

ich schreie, ich tanze, ich lieb‘

den Dieb der Herzen